Chlamydien stehen im Verdacht, Arteriosklerose und Infarkte zu begünstigen. Einerseits sind Herzpatienten auffallend häufig von diesen Bakterien besiedelt; zum anderen scheint die Einnahme von Antiobiotika - sie töten die Chlamydien ab - das Infarktrisiko zu mindern (ZEIT Nr. 7/99). Allerdings blieb es ein Geheimnis, auf welchem Weg die Bakterien dem Herz schaden. Jetzt hat eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Österreich, Kanada und den Vereinigten Staaten ein weiteres Indiz für die sogenannte Chlamydien-Hypothese gefunden (Science, Bd. 283, S. 1335). Offenbar lösen diese Mikroben - sie finden sich etwa bei fünf Prozent der Bevölkerung - im Körper des Menschen eine Immunreaktion aus, die sich dann gegen das Herz richten kann. Ein bestimmtes Eiweißmolekül auf der Oberfläche der Chlamydien gleicht einem Eiweißmolekül namens Myosin im Herzmuskel. Antikörper des Wirts gegen die bakteriellen Invasoren greifen deshalb auch den eigenen Herzmuskel an. Das haben die Forscher experimentell zeigen können, allerdings erst an Mäusen.