Die "Experten" vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) sind schon zu bedauern. Da treiben die Herren vom "Think Tank der Bertelsmann Stiftung" seit vier Jahren "unauffällig, aber effektiv" die Studienreform an Deutschlands Hochschulen voran und schafften es in dieser ganzen Zeit anscheinend nicht, mit Studierenden in Kontakt zu kommen. Da war der Leidensdruck natürlich hoch. Ganz klar ein Fall für den Chef: Detlef Müller-Böling, ein früherer Rektor der Uni Dortmund, ging nun mit einer Spezialkartei "selbst als Headhunter auf Studentenjagd".

Seine Suche, so meldete die ZEIT in einem vierspaltigen Artikel, war ein voller Erfolg: Von den knapp zwei Millionen Studierenden fand er immerhin ganze zwölf - und diese handverlesene Stichprobe kam, "ohne jede Vorgabe oder Auflage", völlig unerwartet "genau auf dieselben" Ideen wie das CHE. Da stört dann bloß noch, daß jede verschrobene Sekte mehr als zwölf studentische Jünger aufbieten kann. Also muß das "schlaue Dutzend" nicht nur als angebliche Stimme der schweigenden Mehrheit herhalten. Hier zeige sich auch ein "neuer Typ des Studentenfunktionärs". Denn, so belehrt uns Frau Etzold, neben den Ideologen im AStA, für die "seit anno 68 die Zeit stehengeblieben" ist, gibt es nun auch die realistischen Fachschafter. Diese Aussage stürzt mich als Fachschafter, der längere Zeit im AStA mitgearbeitet hat, natürlich in eine schwere Identitätskrise: Woran erkenne ich bloß, ob ich Ideologe oder Praktiker bin? Aber ich ahne es schon: Da ich im Gegensatz zum CHE nicht so recht daran glaube, daß allein eine marktwirtschaftliche Steuerung etwa über Studiengebühren die Hochschulen rettet, muß ich wohl ein böser Ideologe sein. Denn nur die Marktgläubigkeit ist schließlich keine Ideologie, sondern ganz pragmatisch.

Andreas Staets, Marburg