Mein Interesse am Doppelpaß ist das Interesse einer Deutschen, die seit 1954 in England lebt, arbeitet, Steuern zahlt. Ich würde gerne und könnte auch die britische Staatsangehörigkeit erwerben, aber das hätte zur Folge, daß ich meine deutsche Staatsangehörigkeit verliere; nicht weil Großbritannien das verlangt, sondern weil Deutschland keine doppelte Staatsangehörigkeit erlaubt. So lebe ich halt weiter in einer Art von Limbus, nicht gerade als foreigner = Ausländer, aber doch als alien = ein Einwohner, der weder hier geboren noch eingebürgert ist, der jedoch den hiesigen Gesetzen unterliegt. Ob wohl bei der Doppelpaß-Diskussion jemand an im Ausland lebende Deutsche denkt?

Hedwig Grainger Bilston, Großbritannien

Die Antwort der Bundesregierung auf die Unterschriftenaktion "Für Integration - Gegen Doppelpaß" der CDU war eine Werbekampagne dreier Prominenter Deutschlands, die sich in einigen überregionalen Zeitungen für die doppelte Staatsbürgerschaft aussprachen.

"Wer nach den Gesetzen unseres Landes lebt, soll das Recht haben, Bürger unseres Landes zu sein" - einleuchtender und überzeugender kann dieses Zitat wohl kein Argument für die Einführung des Doppelpasses ersetzen. Wer als Kind ausländischer Eltern in Deutschland geboren wird oder seit mindestens fünf Jahren hier lebt, sollte grundsätzlich das Recht auf eine zusätzliche deutsche Staatsbürgerschaft haben. Dies sollte jedoch nur in Anspruch nehmen dürfen, wer durch "Unbescholtenheit" seine Akzeptanz des deutschen Rechtsstaats unter Beweis stellt; eine Staatsangehörigkeit "auf Probe" zu vergeben wäre hier also angebracht. Bei Vollendung des 18. Lebensjahres könnte man von den Jugendlichen, die schon in Deutschland geboren worden sind, erwarten, daß sie sich nur für die Staatsbürgerschaft ihres deutschen Heimatlandes entscheiden. Wer aber in zwei Ländern aufgewachsen ist, dem sollte die Möglichkeit eines Doppelpasses auch nach der Volljährigkeit nicht verwehrt bleiben. Diese Regelung müßte natürlich auch für erwachsene Ausländer gelten.

Unter dem Gesichtspunkt eines immer stärker zusammenwachsenden Europa muß auch Deutschland sich öffnen und sich an den anderen europäischen Ländern orientieren. In einigen Jahren wird vermutlich wieder eine Reform auf gesamteuropäischer Basis notwendig sein, weshalb man auch im Zuge der verstärkten Globalisierung nicht auf einen Doppelpaß verzichten sollte.

Silvia Schäfer 13. Jahrgangsstufe, Goetheschule Einbeck

Sie stellen fest, daß der Doppelpaß nicht den Untergang des Abendlandes einleitet. Das mag stimmen, aber rechnen Sie mal nach. Setzen Sie die Geburtenrate in der westlichen Welt einschließlich Rußland gegen diejenige, die ich mal der Einfachheit halber mit S. P. Huntington als "nichtwestliche" bezeichnen will, wen immer man sich darunter vorstellt. Rein rechnerisch ist das Ende der abendländischen Kultur, wie wir sie kennen, voraussagbar in 100, vielleicht 50 Jahren.