Manchmal kommen bei einem akademischen Disput auch ganz handfeste Informationen an die Oberfläche. Zum Beispiel die, daß die Amerikaner die Europäer bei den Beratungen der Siebenergruppe der reichsten Industrieländer (G-7) zu Zinssenkungen gedrängt haben. Zu Beginn der Woche stritten Heiner Flassbeck, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, und Manfred J. M. Neumann, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates beim Bundeswirtschaftsministerium, auf Einladung des Bundesverbandes deutscher Banken und des BDI über Angebots- versus Nachfragepolitik. Die Kontrahenten verstiegen sich in die Verästelungen der Zins- und Wechselkurstheorie, landeten am Ende jedoch wieder in der harten politischen Wirklichkeit: Welche Wechselkurs- und Wirtschaftspolitik wollen die G-7? Flassbeck stellte fest, es sei innerhalb der Siebenergruppe unstrittig, daß Wachstum über die Stärkung der Binnennachfrage gefördert werden müsse. Niemand sei für den Versuch, das Wachstum über neue Wettbewerbsvorteile einzelner Länder - etwa durch niedrigere Lohnkosten - anzuregen, da so nur eine Abwärtsspirale in Gang komme. Neumann hielt dagegen, er kenne zwar die internen Beratungen nicht, doch löse die verbesserte Wettbewerbsposition eines Landes keinesfalls eine wachstumsschwächende Abwärtsspirale aus.

Flassbeck konterte mit seinem Herrschaftswissen: "Ich war dabei." Die G-7 hätten vollen Konsens darüber erreicht, die Binnennachfrage zu stärken, daß kein Land einseitige Wettbewerbsvorteile suchen solle. Die Amerikaner hätten den Europäern gar ins Gewissen geredet, sie sollten die Zinsen senken: "Sie haben uns gesagt: Ihr habt das Mittel in der Hand, und dieses Mittel heißt Geldpolitik." Flassbecks Auskunftsfreudigkeit ist nicht verwunderlich: Die amerikanische Haltung deckt sich in dieser speziellen Frage weitgehend mit der Auffassung des deutschen Finanzministers.

Befürchtung Nutzt Arbeitsminister Walter Riester die Reform der Unternehmensbesteuerung, um die Mitbestimmung auszubauen? Experten in den Wirtschaftsverbänden befürchten das. Bekanntlich will die Bundesregierung im Zuge der Unternehmensteuerreform auch Personengesellschaften die Option einräumen, sich wie eine Kapitalgesellschaft besteuern zu lassen. Nun fürchten Verbandsvertreter, Riester werde das Optionsrecht als Einfallstor nutzen. Getreu dem Motto: Wer wie eine Kapitalgesellschaft besteuert wird, muß auch dieselbe Mitbestimmung anbieten. Das wäre dann die Parität für Arbeitnehmervertreter anstatt der Drittelparität. Im Arbeitsministerium argumentiert man zwar, die Mitbestimmung sollte doch wohl ihre abschreckende Wirkung verloren haben. Gleichzeitig versichert man, es gebe nicht im entferntesten derartige Pläne. Man könne aus einem steuerlichen Optionsrecht ohnehin nicht einfach Folgen für die Mitbestimmung ableiten. Erst müßte das Gesellschaftsrecht geändert werden, auch das sei nicht beabsichtigt. Die Verbände sollten vielmehr ihre Ängste vergessen: "Da hat jemand einen Alptraum gehabt", heißt es im Ministerium.