Vorigen Freitag, beim EU-Gipfel hoch oben auf dem Bonner Petersberg, servierte Gerhard Schröder seinen 14 Partnern zum Mittagessen wieder sein europäisches Leib- und Magenthema: Duty free darf nicht sterben. Jedenfalls nicht schon zum 1. Juli, wie es Europas Regierungen vor acht Jahren als logische Konsequenz des EU-Binnenmarktes einstimmig beschlossen hatten.

Daß Billigschnaps und steuerfreie Zigaretten, wie es die Lobby von Butterschiffern und Airport-Krämern behauptet, gesamtwirtschaftlich mehr Jobs schaffen, bestreiten zwar Studien der EU-Kommission. Der Kanzler glaubt's dennoch - und läßt keinen Einwand gelten. Das mußte auch Wolfgang Engelhardt erfahren, Präsident des Deutschen Naturschutzrings. Der DNR-Chef hatte in einem Brief an Schröder moniert, Duty free sei "eine erhebliche indirekte Subventionierung des Flugverkehrs"; bekanntlich dienten die steuerfreien Geschäfte dazu, die Flughafengebühren "künstlich niedrig" zu halten und somit die (ökologisch sauberere) Eisenbahn zu benachteiligen.

Dieser Widerspruch, so heißt es nun in der Antwort des Kanzleramts, sei der rot-grünen Regierung "durchaus bewußt". Allein es gehe nun einmal "um bis zu 10 000 Arbeitsplätze". Obendrein entdeckte Schröders Beamtenschaft noch schnell ein soziales Argument für die Steuerbefreiung: Niedrigere Gebühren "erlauben, daß auch Bürger mit geringem Einkommen" fliegen können. Ein billiger, weil leicht zu widerlegender Einwand: denn den vermeintlichen Flugrabatt berappt der kleine Mann letztlich selbst - zunächst als Kunde vor dem Start und später dann, zurück aus dem Urlaub, als wieder bodenständiger Steuerzahler. Dann legt er jeden Tag ein bißchen drauf für das, was ihm Duty free und Schröder nur scheinbar schenken.