Dieser erste Zwischenbericht zur Geschichte der Dresdner Bank im "Dritten Reich" beeindruckt durch Offenheit, empirische Präzision und begriffliche Klarheit. Durch die Einbeziehung der außenpolitischen Rahmenbedingungen ist das Buch auch für Leser aufschlußreich, die sich weniger für die banktechnischen Details des Goldhandels als für die Rolle der Türkei während des Zweiten Weltkriegs interessieren.

Die Türkei spielte für den Goldhandel der Deutschen Bank und der Dresdner Bank eine Schlüsselrolle. Das Hauptmotiv war der hohe Gewinn, der auf dem "grauen" und staatlich nicht reglementierten Goldmarkt in Istanbul und Ankara erzielt wurde. Er kam in erster Linie den Banken und erst in zweiter Linie der Reichsbank zugute.

Da die türkische Regierung die Einfuhr von Gold aus notenbankpolitischen Gründen nicht beschränkte, entwickelte sich die Türkei zu einer "Goldwaschanlage" für völkerrechtswidrig beschlagnahmte Goldmünzen aus den besetzten Staaten Westeuropas, die sich ab 1942 auch in der Schweiz nicht ohne Herkunftsnachweis absetzen ließen. Erst der diplomatische und der militärische Druck der Alliierten auf die Türkei führte im Juni 1944 zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland und damit zum Ende des Goldhandels.

Die beteiligten Direktoren der Auslandsabteilung und das verantwortliche Vorstandsmitglied müssen sich bewußt gewesen sein, daß ihnen die Reichsbank geraubtes Gold aus dem besetzten Westeuropa zum Weiterverkauf zur Verfügung stellte. Von den insgesamt 5,4 Tonnen Gold, welche die Dresdner Bank von der Reichsbank erwarb, waren 3,5 Tonnen ausländische Goldmünzen.

Weder während des Krieges noch in der Nachkriegszeit zeigten die Mitarbeiter der Dresdner Bank ein erkennbares Unrechtsbewußtsein über den Handel mit Raubgold. Obwohl auch dem Auswärtigen Amt die Herkunft des Goldes bekannt war, setzte es sich Ende der fünfziger Jahre erfolgreich für die Überführung des Dresdner-Bank-Golddepots ein, das von den türkischen Behörden 1945 beschlagnahmt worden war. Die Bundesregierung nutzte die Abhängigkeit der türkischen Regierung von deutschen Auslandskrediten aus, die im politischen Kosten-Nutzen-Kalkül der türkischen Nachkriegspolitik schwerer wogen als die völkerrechtlich vorrangigen Forderungen der Alliierten Raubgoldkommission nach einer Restitution des Goldes.

Bähr kann kein abschließendes Urteil fällen, ob die Verantwortlichen der Dresdner Bank über die Herkunft des Barrengoldes informiert sein konnten. Von Januar bis Dezember 1943 erwarb die Dresdner Bank zwischen 274 und 324 Kilogramm Gold von der Reichsbank, das aus dem von der SS erbeuteten Gold jüdischer Opfer in handelsübliche Goldbarren umgeschmolzen worden war. Da zwei nationalsozialistische Vorstandsmitglieder enge Geschäftsbeziehungen mit SS-Obergruppenführer Oswald Pohl (Leiter des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes) pflegten, war eine Minderheit des Vorstands zumindest andeutungsweise über die Goldgeschäfte der SS im Bilde.

Die zuständigen Vorstandsmitglieder und Direktoren in der Auslandsabteilung der Dresdner Bank standen jedoch zu ihren nationalsozialistischen Kollegen politisch und persönlich im Gegensatz. Es spricht viel für Bährs Hypothese, daß sie nicht an dem möglichen Geheimwissen ihrer Kollegen partizipierten.