Das Klischee stimmt: In Berlin ist immer was los. Allein die Veranstaltungsliste der Berlin Tourismus Marketing GmbH, Anlaufstelle für Hauptstadt-Besucher, verzeichnet auf 38 eng bedruckten Seiten über 300 Termine: Von "A" wie Ani Gompa, einer Ausstellung über Nonnen in buddhistischen Klöstern (bis 5. April im Museum für Völkerkunde), bis "Z" wie Zucchero, dem Konzert des italienischen Popsängers am 13. März in der Columbiahalle am Flughafen Tempelhof.

Hier landeten auch die meisten "Rosinenbomber", die den Westteil der Stadt bis zum Ende der Blockade durch die Sowjets am 12. Mai 1949 mit Lebensmitteln und Brennstoff versorgten. Der 50. Jahrestag wird am 11. Mai um 20 Uhr mit einem Konzert des Berliner Kammerorchesters in der alten Abflughalle gefeiert. Einen Tag später blasen und trommeln Militärkapellen der ehemaligen Westalliierten ab 20 Uhr im Olympiastadion. Vom 13. bis 15. Mai ist Bürgerfest auf dem früheren militärischen Teil des Flughafens Tegel, der während der Luftbrücke ausgebaut wurde.

Bald nach Ende der Blockade kam es zur doppelten Staatsgründung in Deutschland. Zwar klingt der Titel der Jubiläumsausstellung Einigkeit und Recht und Freiheit (23.5. bis 3.10. im Martin-Gropius-Bau) nach einem Resümee der bundesdeutschen Vergangenheit, aber die Ausstellung soll einen chronologischen und thematischen Überblick über die "Wege der Deutschen 1949-1999" in Ost und West geben.

Geschichte wird am 19. April gemacht, mit der ersten Plenarsitzung des Deutschen Bundestages im neuen alten Reichstagsgebäude. Das Wochenende darauf will Parlamentspräsident Wolfgang Thierse zum "Tag der offenen Tür" für Berliner und Hauptstadtbesucher erklären. Am 10. Oktober wird an den Mienen der Gäste auf den Wahlpartys der Parteien zu erkennen sein, wer die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus gewonnen hat.

Ob die Love Parade am 10. Juli eine politische Veranstaltung ist, darüber werden sich auch in diesem Jahr Veranstalter und Verwaltungsdienststellen streiten. Fest steht, daß die erwarteten 500 000 Raver des Mega-Musik-Events rings um den Tiergarten wieder zig Tonnen an Abfall und Schmutz hinterlassen werden. Nicht ganz so laut wie auf der Love Parade, aber noch bunter geht es auf dem Karneval der Kulturen am Pfingstsonntag (23. Mai) zu: Kreuz und quer durch Kreuzberg führt der Multikulti-Umzug mit Teilnehmern aus 60 Nationen.

Einen Monat später, am 26. Juni, ziehen dann Lesben und Schwule am Christopher Street Day durch die Innenstadt. Der schnellste aller Straßenumzüge, der Berlin-Marathon, der im letzten Jahr mit einem neuen Weltrekord endete, wird am 26. September abermals den Verkehr der halben Stadt lahmlegen.

Das Projekt Berlin: offene Stadt inszeniert ab dem 6. Juni den gesamte Stadtraum als Ausstellungsfläche im Maßstab eins zu eins. Zehn Routen durch das "Neue Berlin" - von der Rummelsburger Bucht zum Alexanderplatz oder vom Gesundbrunnen zum Jüdischen Museum - werden mit "Stadt-Zeichen" markiert und sollen die heterogenen, widersprüchlichen Teile der labyrinthischen Großstadt verbinden. Führungen zu Fuß, per Bus oder Schiff machen Gebäude und Orte zugänglich, die sonst verschlossen sind.