Mit solchen Artikeln ist es im Grunde wie mit schlechten Filmen: Man weiß zu Beginn schon im wesentlichen, wie alles ausgeht, und wird auf dem Weg dorthin mit allerlei Klischees und geistigen Kurzschlüssen bedient. Gerne hätte ich die Autorin einmal gefragt, ob ihr bei den Recherchen aufgefallen ist, daß zum Beispiel Kinesiologen von Haus aus nicht therapieren und auch keine Diagnosen stellen, sondern den Muskeltest lediglich als Biofeedback benutzen. Außerdem würde wohl kein Kinesiologe, der weiß, was er tut, behaupten, damit auf den "Zustand der Organe" zu schließen. Um zu verstehen, welche Bedeutung der Muskeltest hat, müßte man sich allerdings schon die Mühe machen, den Hintergrund dieser Methode zu beleuchten. Da ist es dann doch bequemer, alles in einen Topf zu werfen, Esoterik darauf zu schreiben und sich möglichst weit davon abzugrenzen - man ist ja schließlich aufgeklärt. Wir werden aber nicht darum herumkommen, uns aktiv an der eigenen Genesung zu beteiligen, egal, für welche Methode wir uns entscheiden. Schnelle Patentrezepte gibt es auch nicht beim Heilpraktiker. Warum also alternativen Praktiken so etwas unterstellen? In einem ganzheitlichen Ansatz ist man, wie der Name schon sagt, ja gerade bemüht, den Menschen nicht bloß als komplexes biochemisches System, sondern als vielschichtiges Wesen im Kontext von Mitmenschen und Umwelt zu betrachten. Genau das sollte eigentlich alternative Konzepte auszeichnen. Und so wichtig das "intensive Gespräch" im Heilungsprozeß auch ist, halte ich es doch für verkürzt, die Wirkung alternativer Methoden auf die emotionale Zuwendung zu reduzieren. Es mag sicher Leute geben, die alternativ mit primitiv verwechseln und in erster Linie am eigenen finanziellen Wohl interessiert sind. Solch schwarze Schafe findet man aber überall - auch unter den Schulmedizinern.

Evelyn Dedio, Saarbrücken