Es scheint, als werde die neue Bundesregierung der alten immer ähnlicher. Der Anzug hat sich durchgesetzt, und selbst die Schweinchen-Krawatte, das letzte zaghafte Symbol des Aufbegehrens, hängt im Schrank des Vergessens. In gedecktem Tuch suchen die rotgrünen Regenten nach eigenen Wegen und biegen dann doch, wie von Zauberhand geleitet, in die Gänge des Kohlschen Systems ein: Sie treffen sich zu "Koalitionsrunden", öffnen den Kabinettssaal für die Chefs der Regierungsfraktionen - und nun stoßen sie auch noch auf die Wiedergänger der alten Störenfriede, auf neue "Junge Wilde".

Sie heißen Hans-Peter Bartels, Hubertus Heil, Michael Roth, Carsten Schneider und Karsten Schönfeld, sind zwischen 23 und 37 Jahren alt und warfen Anfang der Woche ein dreiseitiges Papier auf den Markt. Unter dem Titel: Mut zum Regieren beklagen sie das Erscheinungsbild ihrer Regierung.

Die fünf SPD-Abgeordneten vermissen nicht nur "Professionalität", sondern auch die "programmatische Klärung in zentralen Zukunftsfragen". Bislang werde nicht deutlich, daß die SPD die "Partei der Innovation" sei: "Die mit reichlich Kanzlercharme entschuldigten handwerklichen Fehler offenbaren vielmehr, daß die Arbeitsorganisation der neuen Bundesregierung selbst wenig mit dem Management in einer modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft zu tun hat."

Kritik aus den Nachwuchsbänken - hat sich das System Schröder damit endgültig in den Halterungen des Kohlschen Modells verankert? Es scheint nur so. In Wahrheit ist Schröder nicht Kohl, sind die Anzüge seiner Minister anders geschnitten, nämlich modisch statt klassisch, atmen die Kungelrunden einen anderen Geist, treibt die neue innerparteiliche Opposition etwas anderes um.

Kohls Junge Wilde, Peter Altmeier, Norbert Röttgen und Eckart von Klaeden, hatten ein Programm: Sie standen für eine liberalere und eine ökologischere Union. Schröders Junge Wilde haben kein Programm, sondern ein Problem: Sie merken, daß der Laden nicht läuft.

Wo aber soll die Reise ihrer Meinung nach hingehen? Die Forderung nach einem "professionellen Koalitionsmanagement" dröhnt hohl im Ohr, wenn sie von jungen Männern erhoben wird, die gerade ihr erstes Büro einrichten. Und der Ruf nach "Mut zur Klarheit" klänge überzeugender, wenn zumindest umrißweise deutlich würde, welche Klarheit da gemeint ist. Nein, jedes System ist anders, und jede Regierung hat die Jungen Wilden, die sie verdient.