die zeit: Warum reicht der geplante Entschädigungsfonds für die Opfer des Nazi-Regimes nicht aus?

Hans Mommsen: Wenn wir hochrechnen, daß Volkswagen aus seinem eigenen Fonds im Schnitt 10 000 Mark pro Person zahlt und sich binnen kurzer Zeit schon rund 2000 Zwangsarbeiter gemeldet haben, dann dürften die 3 Milliarden Mark, die für den neuen Fonds im Gespräch sind, in keiner Weise genügen. Denn es ist damit zu rechnen, daß viele Betroffene aus den osteuropäischen Ländern nun Ansprüche erheben werden.

zeit: Wie beurteilen Sie die Haltung von Städten oder Bauunternehmen wie Züblin, die Entschädigungszahlungen verweigern?

Mommsen: Die Bauunternehmen gehören natürlich in dieselbe Rubrik wie die Großkonzerne. Sie haben in hohem Maße mit Zwangsarbeit operiert. Deshalb gibt es für sie keinen Grund, sich anders zu verhalten als die am Fonds beteiligten Firmen, auch wenn sie bislang noch nicht mit spektakulären Klagen überzogen wurden. Die Städte und generell die öffentliche Hände haben ebenfalls massenhaft Zwangsarbeiter beschäftigt. Deshalb halte ich es für angemessen, daß auch sie Entschädigungen leisten.

zeit: Welche Summe müßte ein umfassender Fonds aufbringen?

Mommsen: Ich weiß es nicht. Die Experten gehen von rund 800 000 Antragstellern aus. Legt man die VW-Zahlen zugrunde, kostete allein die Entschädigung von Zwangsarbeitern 8 Milliarden Mark.

zeit: Bundeskanzler Schröder will die Unternehmen nicht zu arg strapazieren. Provoziert diese Schonhaltung nicht neue Konflikte?