Ein Déjà-vu-Gefühl beschleicht den Beobachter. In Israel hat der Wahlkampf begonnen, und schon werden die Kämpfe mit der Hizbullah im Südlibanon heftiger. Vor drei Jahren glaubte der damalige Regierungschef Schimon Peres, daß ein entschiedener Vergeltungsschlag - der zu dem katastrophalen Fehler in Kana führte, wo fast 200 Unschuldige sterben mußten - sein Image aufpolieren und seine Chancen bei der Wahl verbessern würde. Das half nichts, Peres verlor.

Heute ist wieder Wahlkampf in Israel, und bisher hat Benjamin Netanjahu allen Stimmen widerstanden, die eine harte Hand fordern. Er weiß, daß eine israelische Offensive im Libanon von den Wählern nicht begrüßt wird, wenn sie nicht mit einer diplomatischen Initiative einhergeht. Netanjahu wie auch sein wichtigster Herausforderer Ehud Barak versprechen deshalb einmütig, alles zu tun, um nach ihrer Wahl die israelischen Soldaten aus der "Sicherheitszone" zurückzuholen.

Alle aber wissen, daß eine ruhige Grenze im Norden von einer Einigung mit dem Mann abhängt, der den Ton im Libanon angibt: Syriens Präsident Assad benutzt die Hizbullah als Druckmittel; er will die Golanhöhen zurück. Ein israelischer Truppenabzug aber würde auch die Anwesenheit der syrischen Armee im Libanon in Frage stellen. Die Lage bleibt kompliziert. Und wollendie Wähler in Israel nach diesem bestürzenden Déjà-vu und dem Anblick toter Soldaten diesmal einen neuen Weg einschlagen?