Er gilt als phantasielos und risikoscheu, um nicht zu sagen als ziemlich deppert: der deutsche Sparer. Und das kam so.

Vor gut vierzig Jahren hatten sich die Banken endlich dazu bereit gefunden, fortan auch Normalbürger zu bedienen. Wie immer, wenn zwei Welten aufeinandertreffen, kam es zum Kulturschock. Als sich etwa ein paar Hausfrauen bei der Deutschen Bank etwas Geld borgen wollten, wußte der völlig verängstigte Filialleiter keinen anderen Ausweg, als mit den Worten "Der Mob stürmt die Schalter" Hilfe von seiner Zentrale anzufordern.

Die Leute wünschten nicht nur Kleinkredite, sie wollten alles, was Banken zu bieten hatten. Vor allem aber wollten sie schnell reich werden. Mit Aktien zum Beispiel. Hatten sie doch gerade erlebt, daß die nicht nur viel Geld bringen, sondern auch vor Inflationen und Währungsreformen schützen. Der Wunsch nach Aktien war deshalb größer als in vielen anderen Ländern. Die Frage "Wie stehen die Aktien?" wurde ein geflügeltes Grußwort.

Aber das hatten sie nicht gewollt, die Banken. Der Mob sollte sein Geld aufs Konto legen, nicht zur Börse bringen. Nichts rentiert sich für eine Bank schließlich mehr als ein Sparbuch. Also wurde das Klischee vom fleißigen, vernünftigen Sparbuchsparer erfunden. Die Strategie zeigte Wirkung. Immer weniger Sparer trauten sich, Aktien zu kaufen - bis deren Verbreitung Anfang der Neunziger einen Tiefpunkt erreichte. Statt dessen wurden Kunden schamlos mit Hungerzinsen übers Ohr gehauen. Die Sehnsucht nach schnellem Gewinn mußte indes beim Lotto befriedigt werden. Oder auf dem grauen Kapitalmarkt, wo jährlich so viel Geld in abenteuerliche Anlagen gesteckt wird wie sonst nirgends auf der Welt.

Dabei könnte er längst ein gemachter Mann sein, der bescheidene deutsche Sparer. Wenn ihn die Banken nicht immer von den Fetttrögen ferngehalten hätten.