Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Christa Nickels hat mit dem jüngsten Suchtbericht vernünftige Akzente gesetzt. Es ist richtig, die Hilfe für Abhängige zu erweitern. Diese müssen entkriminalisiert, ihre Gesundheitsrisiken klein gehalten werden. Gleichzeitig muß der Staat dem Drogenkonsum noch stärker vorbeugen. Im Jahr 1998 belegen 1674 Rauschgifttote dies auf makabre Weise. Daß die Zahl der Methadonopfer auf 240 hochgeschnellt ist, spricht nicht gegen die Ersatzdroge in der Therapie, sondern allenfalls gegen einen allzu laxen Umgang mit ihr. Staatssekretärin Nickels sollte auch die Heroinsubstitution für besonders schwer Opiatabhängige behutsam einführen, auch wenn Kritiker dies als "Staatsschnaps für Alkoholiker" brandmarken.

Und es ist richtig, wenn Bonn nach französischem Vorbild Tabak und Alkohol als die schädlichsten Drogen bezeichnet und die Kriminalisierung von Cannabis hinterfragt. So haben die Ermittlungen gegen Cannabiskonsumenten zugenommen, die Zahl der Verfahren ist auf 150 000 gestiegen. Dabei wird in Bayern zehnmal härter (3 Gramm Hasch) zugepackt als in Schleswig-Holstein (30 Gramm). Entlastet Polizei und Justiz, stärkt die Prävention! Und verzichtet aus genau diesem Motiv einer vernünftigen Duldung des mäßigen Drogengebrauchs darauf, die Promillegrenze im Straßenverkehr weiter abzusenken. Sonst wird die Politik schizophren.