Benjamin Lebert: Crazy; Kiepenheuer & Witsch, Köln 1999; 175 S., 14,90 DM

Ein Buch auf 40 Zeilen würdigen? Ein Buch, das den literarischen Frühling mit einem Donnerschlag eingeleitet hat? Das die Kritiker wahlweise an Vorbilder wie Salinger erinnert (Spiegel Kultur extra), an Hemingway (Der Spiegel), an Rimbaud, Hugo von Hofmannsthal, Henry Miller (FAZ), an Alexander Pope, Françoise Sagan (Die Woche)? Tja, da muß man durch. Acht Zeilen hätten wir schon mal.

Crazy heißt das Buch, Benjamin Lebert der Autor. Gerade 17 Jahre alt geworden. Halbseitig gelähmt. Weitere Kennzeichen: total süßer Blick und Struwwelhaare. Das Buch handelt davon, wie er und seine Mitschüler im Internat, nun, heute sagt man offenbar Mädchen nageln, darüber in eine, nun, man könnte sagen, Sinnkrise geraten, nach München fahren, rauchen und in einem Striplokal Bacardi O-Saft trinken.

Davon wird ihnen schlecht. Und der dicke Felix stellt dazu die nötigen Fragen: ",Was war das Ganze?' fragte der dicke Felix. ,Unser Ausbruch aus dem Internat? Die Fahrt mit dem Bus? Dem Zug? Der Untergrundbahn? Das Striplokal? Für was war das Ganze? Für was war es gut? Wie könnte man es bezeichnen? Als Leben?'"

Sagen wir ruhig: fast. Als Leben. Oder, wenn man so will, auch als Geschichte. Nein, am besten als "eine Geschichte, die das Leben schreibt". An deren Ende es, voll fies, einen Sechser in Mathe setzt. "So prägnant", fand der stern, "hat noch keiner das Drama Jugend auf den Punkt gebracht."

Wir würden die Debatte an dieser Stelle gern weiter substantiieren und die Namen Handke, Musil sowie Büchner in die Runde werfen. Wenn wir damit nicht schon eine Zeile über dem selbstgesetzten Limit lägen.