Einmal im Jahr wird der Berliner zum erdgebundenen Jet-setter und begibt sich in die Umlaufbahn einmal rund um die Internationale Tourismus-Börse. Eine Weltreise im Tagesraffer, mit laufenden Zwischenstopps von Halle zu Halle. Gerade war er noch beim Pickelhaubenhauptmann in Köpenick, zehn Minuten später kreuzt er schon bei der Steelband in der Karibik auf.

Was den einen ihr Karneval oder ihr Vatertag, das ist dem Berliner seine ITB. Hier auf der Messe ist die Welt noch so, wie der Feriengast sie gern hätte, das Paradies ohne Abstriche, Travellerträume ohne Wenn und Aber. Nirgendwo in den Messehallen lauern auf unseren Berliner Gefahren und Fährnisse wie im richtigen Ferienleben.

Der Flieger ist nicht überbucht und der Strand nicht übervölkert, man wird nicht beklaut und nicht überfallen, Sonnenbrand und Montezumas Rache bleiben außen vor.

Der Messe-Schnuppergast kann problemlos Länder und Regionen besuchen, in denen sonst geschossen und gefoltert wird, wo Hurrikane wüten und Lawinen runterkommen.

Während unser Berliner also beim Flanieren im Messegewühl aufblüht, müssen sich in der Kongreßhalle, dem abgehobenen Raumschiff ICC, Fachjournalisten die Köpfe zerbrechen über so gravierende Themen wie "Angebotsseitige Akzeptanz und Urlaubsanalyse der Dachmarke Schleswig-Holstein" und nach Antworten suchen auf drängende Fragen wie "Von der Piste in die Kiste - wo schlafen Radtouristen?" oder "Können Touristen die Natur retten?"

Beim munteren Quiz am Holland-Stand (Wie heißt die Symbolblume der Niederlande? Richtig! Die Tulpe!) erringt unser Berliner den Hauptgewinn, ein paar echte Holzschuhe. Damit stolpert er dann durch die Erlebnislandschaft Ruhrgebiet und über Fascinating Malaysia nach Hawaii, wo eine exotische Schöne ihm einen Blumenkranz auf dem Kopf zurechtnestelt. Den Rollmops am Nordseestrand spült er hurtig mit dem karibischen Curaçao-Mix hinunter. Und im Vorübergehen greift er - Information muß ja sein - zum Prospekt der Prignitz, wo es "Kiefern und Sand" gibt und die Menschen "interessant und vielfältig" sind.

Bauch und Kehle gefüllt, den Körper mit Souvenirs behangen, die ganze Prospektwelt in der Plastiktüte (wenn eine ausreicht), kommt unser Berliner vor Toresschluß zur Wahrsagerin am Singapur-Stand. "Freuen Sie sich, junger Mann", sagt sie nach einem Blick auf seine rechte Handfläche. "Im nächsten Jahr werden Sie eine Weltreise machen." Gebongt, Madame. Also dann, auf ein Wiedersehen in Berlin bei der ITB 2000.