Die aktuelle Debatte um Entschädigungen für AusländerInnen, die zur Zwangsarbeit in der Nazirüstungswirtschaft deportiert waren, führt hoffentlich zu Regelungen, die von den betroffenen Anspruchsberechtigten als gerecht (so dies überhaupt möglich!) angenommen werden können. - Diese Debatte verfolge ich aufmerksam, dabei habe ich stets eine Frage: Wird es solche Entschädigungen auch für Deutsche geben, die - faktisch stellvertretend für alle Deutschen - im Jahre 1945 von der damaligen UdSSR zur Zwangsarbeit deportiert wurden? Meine älteste Schwester wurde Anfang Februar 1945 im Kreis Samland (Ostpreußen) verhaftet und kehrte Ende August 1947, abgehungert zum Skelett und so nicht mehr arbeitsfähig, aus dem Arbeitslager nahe Krasnokamsk an der Kama zurück. Meine jüngere Schwester, ebenso deportiert, starb Mitte August 1945 in einem Zwangsarbeitslager.

In bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen werden allein für die deutschen Gebiete (1944/45) östlich von Oder und Neiße 218 000 Deutsche im Alter von 15 bis 60 Jahren genannt, die zur Zwangsarbeit deportiert wurden; über die Hälfte davon kehrte nicht mehr zurück. Und wer wird wohl jene über eine halbe Million Menschen für ihre Zwangsarbeit in der Sowjetunion entschädigen, die als "Deutschstämmige" oder "Volksdeutsche" aus Rumänien, Ungarn, Jugoslawien sowie aus Bulgarien, der Tschechoslowakei und den baltischen Staaten zur Zwangsarbeit in der Sowjetunion rekrutiert wurden?

Werde ich nun mit diesem ganz sachlichen Anliegen gleich ein "Revanchist" oder gar "Rechtsextremer" gescholten werden? Denn man tau!

Dr. Fritz Arndt, Görwihl