Die deutschen katholischen Bischöfe warten auf Rom - und darauf, ob sie weiterhin an der Konfliktberatung für Schwangere teilnehmen können ohne päpstliches Veto.

Inzwischen bleibt Zeit zum Vorausdenken: Was wäre denn der Fall, wenn die Mehrheitsmeinung der katholischen Bischöfe dem Papst zu vermitteln wäre? Anstelle eines formalen Bestätigungsscheins soll demnach ein Beratungs- und Hilfeplan aufgestellt werden, der detailliert verzeichnet, mit welcher konkreten Unterstützung der Schwangeren geholfen werden kann.

Sollen die staatlichen Instanzen ein solchermaßen ausgestaltetes Dokument anerkennen? Dies dürfte eigentlich keine Frage sein. Und dann? Dann muß sich herausstellen, ob das Hilfe- und Beratungskonzept durchgängig eingelöst, ob es personell wie materiell tatsächlich unterfüttert werden kann - zunächst von den kirchlichen Beratungsstellen.

Bisher versuchen diese Stellen von Fall zu Fall das Mögliche - künftig würde die Selbstverpflichtung stärker wirken, als Fernwirkung auch bei den evangelischen Stellen. Jene Beratungsdienste, in denen jedoch die Ausstellung des Scheins mehr oder weniger zur Routine geworden ist (so etwas gibt es zumindest in einigen Fällen), kämen unter erheblichen Rechtfertigungsdruck - wie auch die Gesellschaft und der Staat insgesamt: Es müßte sich dann nämlich herausstellen, ob die obligatorische Beratung als eine solidarische Beratung von Anfang an, immer und überall, ernst gemeint war - oder nur der "moralischen" Flankierung einer strafrechtlichen "Freigabe" die nen sollte. (Man denke dabei nur an die fadenscheinig werdende Finanzierung der Kindergartenplätze.)

Angesichts dieser Lage ist es allerdings erst recht erstaunlich, daß der Vatikan gegenüber den deutschen Bischöfen bisher so hartherzig reagiert. In anderen Ländern Europas gibt es die "nackte" Fristenregelung, ohne Beratung, ohne Hilfe für die Schwangeren - und ohne römischen Tadel für die örtlichen Bischöfe.