Die Zeitbombe tickt. Es bleiben nicht einmal mehr zehn Monate bis zur Jahrtausendwende - und die Angst vor kollabierenden Computern wächst. Kein Wunder, daß sich Patrick Bossert vor Nachfragen kaum retten kann. Der 30jährige Chef der Londoner Firma WSP Business Technology hat mit Delta T ein Testgerät für "infizierte" Chips erfunden. Unternehmen, die geschlampt haben oder bei der Überprüfung ihrer Anlagen hinterherhinken, betrachten Delta T als Rettung in letzter Minute. Denn mit diesem Gerät ist es relativ leicht, jene Chips aufzuspüren, die beim Sprung ins Jahr 2000 unangenehme Überraschungen bereiten könnten.

Ein besonders vertracktes Problem stellen all jene Chips dar, die in "eingebetteten Systemen" stecken und dort Funktionen und Abläufe steuern - in Flugsicherungssystemen und Geldautomaten, Kühlanlagen und Stromversorgung, Sprinkleranlagen und Ölterminals. Laut Shell stecken allein in jedem Ölterminal 10000 Chips, die alle vor dem 31. Dezember 1999 untersucht werden müssen.

Bislang hat Bosserts Unternehmen 65000 eingebettete Systeme überprüft. Weniger als eins von 100 Systemen arbeitet mit Datum und Zeit. Nur eins von 500 würde am 1. Januar 2000 versagen. Und dennoch - suchen muß man: Es könnten schließlich vitale Funktionen, etwa bei der Industrieproduktion, betroffen sein.

Die meisten der überwiegend britischen Firmen, die Delta T einsetzen, legen Wert auf Diskretion. Die Öffentlichkeit könnte aus dem Kauf den Schluß ziehen, daß sie bislang nicht genug gegen den drohenden Kollaps unternommen hätten. Andere Konzerne nutzen Delta T gerade dazu, herauszukehren, wie weitsichtig sie gehandelt haben. Dazu zählen der britische Rüstungskonzern British Aerospace und Sainsbury's. Diese Supermarktkette hatte einen ihrer Läden als Testfall benutzt. Zunächst ließ man durch Delta T alle eingebetteten Systeme überprüfen, um dann die Uhr auf den 1. Januar 2000 vorzustellen. Ergebnis: Alles klar, es habe keine Pannen gegeben.

200 Delta Ts wurden bislang verkauft, zum Stückpreis von 16000 Pfund inklusive eines zweitägigen Einführungskurses. Jetzt gingen 120 Bestellungen aus China und Südostasien ein. Auch aus Amerika erwartet der junge Softwarespezialist rege Nachfrage, nachdem er Herstellung und Vertrieb von Delta T mit einer amerikanischen Firma geregelt hat. In Deutschland sucht man noch einen Partner.

Bossert selbst rechnet zur Jahrtausendwende nicht mit weltweitem Chaos: "Nur ein kleiner Prozentsatz der Systeme wird versagen." Ansonsten wird's eine rauschende Party. Den Champagner dafür kann er sich allemal leisten. Sein erfinderisches Talent hatte er schon als Zwölfjähriger unter Beweis gestellt. Er löste das mathematische Puzzle des Rubik-Würfels, schrieb ein Buch darüber, das 1,5 Millionen Male verkauft wurde; den Gewinn nutzte er nach dem Elektronikstudium für die Gründung einer eigenen Softwarefirma.

Für Delta T ist am 1. Januar 2000 noch nicht alles vorbei. Der Sprung ins Schaltjahr, betont Patrick Bossert mit einem Hauch von Genugtuung, werde ähnliche Umstellungsprobleme schaffen.