Pädagogische Vorhölle oder Paradies für Lehrer? Alles, was irgendwie mit Vorschul-, Schul-, Hochschul-, mit Aus-, Fort- und Weiterbildung zu tun hat: zusammengedrängt in 14 Hallen, verteilt auf über 700 Messestände, begutachtet und heimgesucht von mehr als 70000 Schaulustigen. Die beiden großen Bildungsmessen Didacta und Interschul wurden in diesem Jahr zum ersten Mal gemeinsam präsentiert (in der vergangenen Woche in Stuttgart). Das ist von der Sache her richtig gedacht, denn inhaltlich waren sie nie klar zu trennen. Herausgekommen aber ist eine Monstershow, ein gigantisches Bildungsgetümmel, das die Aufnahmefähigkeit der Besucher wie die der Stuttgarter Messehallen an die Grenzen ihres Fassungsvermögens brachte.

Die Bundeswehr neben der Montessori-Pädagogik, die ausgestopften Eulen und Eichhörnchen für den Biologieunterricht neben der Infoshow mit dem Eurokasper, der Mathe-Roboter neben der guten alten Schautafel ("Jesus, der Herr, Teil 2, abwischbar") für die Religionsstunde, die Info-Installation für kindgerechte Zahnpflege neben dem Stand von Uhu-Alleskleber. Um den Unterhaltungswert noch zu steigern, wurde das Ganze angereichert mit diversen Diskussionsrunden, Foren, Vorträgen, Performances.

Doch gleichgültig, ob als hochwertiges Lehrprodukt oder didaktischer Firlefanz dargereicht - das ganze Angebot dient ja letztlich nur einem Zweck: den Lehrstoff in die Gehirne der Lernenden (heute heißt das "Lerner") hineinzubekommen. So ist die Bildungsmesse mit ihrer Überfülle an geistiger Nahrung zugleich ihr eigenes Krisensymptom: Auch wenn sie noch einmal erweitert, das Angebot verhundertfacht würde - mehr "Bildung" kommt dabei nicht zustande.

Goethe (bei der Didacta/Interschul mehrfach, unter anderem auf CD-ROM, vertreten) hat Messebesuchers Dilemma natürlich längst vorausbedichtet: "Vergeblich, daß Ihr ringsum wissenschaftlich schweift, ein jeder lernt nur, was er lernen kann."

Übertragen auf den Konsumenten von heute bei seinem Aufbruch in die Wissensgesellschaft von morgen, heißt das nach wie vor: Ob Bildung als Schonkost, Vollwerternährung oder Junk food verabreicht wird - die menschliche Aufnahmefähigkeit ist und bleibt endlich.