M edia vita in morte sumus, sagt der Lateiner, auf deutsch etwa: "Die Endlichkeit des menschlichen Daseins vor Augen zu haben, gehört zum Leben." Dies bemerkte der Verwaltungsgerichtspräsident Peter Engel in Ansbach (Bayern), als er eine Klage gegen den Bau eines Friedhofs wegen befürchteter "Lärmbelästigungen durch Beerdigungsfeierlichkeiten" abwies (AZ AN4K98.01394).

Man wird die Weisheit des Engels in letzten Dingen loben müssen, zugleich aber darauf hinweisen dürfen, daß Leichenschmäuse nicht selten den exzessivsten Ausdruck menschlicher Lebensfreude bzw. Überlebensfreude darstellen, auch und gerade in Bayern. Wobei gelegentlich sogar ein geradezu proportionales Verhältnis zwischen dieser Freude und der verwandtschaftlichen Nähe zum Verstorbenen festzustellen ist, was beides den Anwohnern naturgemäß abgeht.

Hier also kein Wort mehr über Gulda (und sei er noch so tot), statt dessen ein Wort zur Todesstrafe. Erstens: Wir sind dagegen. Zweitens: Es gibt Fälle... Nun gut. Auch Hundebesitzer, BMW-Fahrer und sozialdemokratische Bildungspolitiker haben ein (gewisses) Lebensrecht. Allgemein gesprochen sei der Hinweis erlaubt, daß rechtzeitige Hinrichtungen ("Die Axt im Haus erspart manch böses Wort", so Schiller in Wilhelm Tell) Probleme ersparen, die jüngst der brandenburgische Justizminister auszubaden hatte, weil zwei Häftlinge sich mit Hilfe einer aus Bettgestellen und Tüchern gebastelten Leiter abgeseilt hatten, was der Minister in unbewußt treffender Wortwahl eine "Verkettung unglücklicher Umstände" nannte.

Über die Umstände des ministerlichen Bettgestells ist nichts Näheres bekannt, was aber unser eigenes Bett betrifft, so zögern wir nicht, es einen glücklichen Umstand zu nennen.