"Halt du den Mund! Darüber kannst du nicht mitreden!" Den Spruch kenne ich, nicht nur aus Kindertagen. Komme ich in die Nähe gewisser Leute - Wirtschaftsexperten, Broker, Atomphysiker, Astronauten, Sinologen, Urologen, Zwölftonmusiker, Datenverarbeiter, Baseballspieler, Seifensieder - bin ich stets in Gefahr, abserviert zu werden. "Entschuldigen Sie, aber darüber können Sie nun wirklich nicht mitreden!"

Übers Radio kann ich mitreden. Übers Radio kann ich reden wie über einen lebenslangen ständigen Begleiter. 65 Jahre Radio - was war daran das allerbeste? Die Funkstille. Das Pausenzeichen.

"TalfahrtgebremstDasstatistischeBundesamterwartetfürdenHandelindiesem JahreinrealesUmsatzplusvon0,2Prozent bängbäng EinneuerSaurierInderSahara grubeinForscherteamderUniversitätChicagodasfastvollständigerhalteneSkelett einerbisherunbekanntenSaurierartaus DieKnochenlassenaufdasBildeinesfurchtbarenRaubtieresschließen Bängbäng ..."

Ich habe mich noch immer nicht daran gewöhnt. Noch immer zucke ich bei den elektronischen Schnellschüssen zusammen. Sie sind wie akustische Ohrfeigen. Bängbäng - zwei links! Bängbäng - zwei rechts!

Die Erfinder des Bängbäng sind ungeheuer stolz. Endlich ist es ihnen gelungen, bei den "Informationen pur", trotz Beseitigung von Pausen, eine deutliche Markierung zwischen Meldung A und Meldung B zu setzen. Sie nennen es "hörerfreundlich". Ohne das Bängbäng dazwischen würde unsereiner womöglich glauben, das Handelsumsatzplus von 0,2 Prozent sei infolge der Ausgrabung des furchtbaren Saurierskeletts entstanden.

Funkstille und Pausenzeichen: Zeit zum Ausatmen, Zeit zur Erholung, Zeit zur Reflexion, Zeit zur Mahnung: "Ist der Rundfunk bezahlt?" Vom gnadenlosen Bängbäng beschossen, tut es mir heute in der Seele weh, das minutenlange Pausenzeichen oft als penetrant empfunden zu haben. Wären Funkstille und Pausenzeichen kreatürlich, könnte man sie einfrieren und warten, bis der Tag gekommen ist, an dem Myriaden überreizter Nerven nach Erlösung schreien. Bis es soweit ist, müssen wir uns weiter akustisch ohrfeigen lassen. Oder den Spruch beherzigen, dem zufolge bekanntlich jedes Radiogerät einen Knopf (oder eine Taste) zum Ausschalten hat.