Der erste Schatten des Verdachts fiel auf ihn im Jahre 1802, als Thomas Jefferson als dritter Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika amtierte. Damals wie heute war es ein Journalist, der im Leben eines populären Präsidenten nach pikanten Geheimnissen wühlte und fündig wurde. Der Zeitungsreporter James Callender berichtete, daß der Präsident ein Kind mit einer seiner Sklavinnen, der Mulattin Sally Hemings, gezeugt habe. Hemings mußte sich als "Schlampe, so gewöhnlich wie ein Bürgersteig" bezeichnen lassen. Jefferson reagierte nicht einmal auf die Vorwürfe, gewann die Wiederwahl und setzte sich auf seinem Landsitz Monticello in Virginia als geachteter Staatsmann zur Ruhe.

Doch die Gerüchte verstummten nie und verfolgten Jefferson "wie eine Blechbüchse, die für alle Zeiten rasselte", wie der Historiker Joseph Ellis schrieb. Generationen von Historikern fochten einen erbitterten Streit um die Biographie jenes Mannes, der das Selbstverständnis Amerikas definierte und 1776 die magischen Worte schrieb, daß alle Menschen gleich geschaffen seien. Doch die einzigen Fakten, auf die sich die Historiker einigen konnten, waren die Schönheit Sally Hemings' und die Ähnlichkeit einiger ihrer Kinder mit dem Präsidenten. Ein Durchbruch in der Gentechnik und Dr. Eugene Foster beendeten den Streit - und entzündeten eine neue Debatte über Sklaverei und Rassenbeziehungen in Amerika.

Für den Historiker Ellis, der Jefferson in seiner Biographie eine "amerikanische Sphinx" nannte, ist diese Enthüllung nur ein weiterer Beweis, daß Jefferson "das große Paradoxon amerikanischer Geschichte lebte": Er konnte an den Sklavenquartieren auf Monticello vorbeispazieren und große Gedanken über die Gleichheit der Menschen denken, er konnte sich vor der Vermischung der Rassen fürchten und mit einer schönen schwarzen Frau schlafen. "Er macht sich einmal mehr nützlich", sagt Ellis, "als Anführer eines neuen Dialogs darüber, auf welche Weise wir wirklich ein Volk waren und sind."