Gerd Bucerius, der gute Geist der ZEIT, lehnte entrüstet ab, als man ihm einst eine Rundfunkzeitschrift anbot: Fahrpläne zum Radioprogramm zu machen sei doch kein Journalismus. Anders Axel Springer. Er griff damals zu. Seine Hörzu gibt es heute noch, und sie heißt, trotz Fernsehen, immer noch so und nicht Siehzu.

Mehr als ein Dutzend Fernsehzeitschriften sind seitdem dazugekommen, und es werden immer mehr. An den Kiosken findet derzeit eine wundersame Blattvermehrung statt, und dem Überfluß fehlt noch die Antwort auf die Frage: wozu und zu welchem Ende? Denn: Die Zahl der Fernseher bleibt konstant, die Zahl der Programmführer aber wächst. Erstaunlich. Schließlich zehren alle Titel vom selben, dem Programmablauf. Entsprechend rauh sind die Sitten im Markt: Man schlägt sich, man verdrängt sich.

Trotz gleicher Quellen haben aber Fernsehzeitschriften die unterschiedlichsten Ausformungen. Das TV-Programm scheint wie Papier: geduldig. Man kann es redaktionell vielfältig gestalten, variieren, garnieren. Man kann es in Phasen zerlegen - wöchentlich, 14täglich, monatlich. Sogar täglich, aber das machen schon die Tageszeitungen.

Publizistisch kann man sich auf Teile des Programms beschränken, zum Beispiel auf Spielfilme.

Man kann die Botschaft auch auf viele, viele Seiten dehnen oder den Tag raffen, auf einen Blick.

Seit neuestem gibt es auch drucktechnisches Raffinement: am Heftrand abgestufte Suchleisten, analog zum Alphabet eines Aktenordners.

Und - es sei nicht verschwiegen - im redaktionellen Mantel, der das Programm umhüllt, kann sich jeder Titel profilieren oder auch nicht.