Sie ist intelligent, zupackend und selbstbewußt. Mit ihrer blonden, sorgfältig gestylten Mähne sieht sie aus wie ein amerikanischer Filmstar. Doch an Hollywood denkt Elisabeth Murdoch nur, weil die konzerneigenen Studios dort Filme und Fernsehserien produzieren, die Gewinn und Macht von NewsCorporation mehren helfen. Allein der Untergangsfilm Titanic spülte zwei Milliarden Dollar in die Kassen. Elisabeth möchte dereinst in die Fußstapfen ihres Vaters Rupert Murdoch treten. Sie wäre dann die erste Frau der Welt, die über ein globales Medienimperium herrschte.

Leicht wird es nicht sein, diesen Traum zu verwirklichen. Erst müßte die 31jährige ihren jüngeren Bruder Lachlan ausstechen, der genauso versessen "auf den besten Job der Welt" ist. Und dann ist da noch eine andere Hürde zu überwinden - die Vorurteile des Herrn Papa. Zwar hat der 67jährige Tycoon zeitlebens einen untrüglichen Riecher bewiesen für neue soziale Trends und bahnbrechende technologische Innovationen. Aber in dynastischen Angelegenheiten ist er eher konservativ; als Nachfolger favorisiert er offenkundig seinen Sohn, der über die australischen Interessen des Konzerns wacht und den sein Vater erst vor ein paar Monaten in den Vorstand von NewsCorporation holte.

Strategische Bündnisse mit einem Konkurrenten, den man nicht besiegen kann - das ist ganz nach dem Geschmack von Murdoch senior. Seither wird auf fünf Kontinenten, im weit verzweigten Geflecht von Fernsehsendern, Zeitungen, Studios und Verlagen von NewsCorp, der 27jährige Lachlan als Kronprinz gehandelt. Doch Elisabeth Murdoch, zur Zeit Managing Director von Murdochs britischem Satelliten-TV-Unternehmen BSkyB, gibt nicht auf. Und sie verhehlt auch nicht ihren Ärger über die "traditionelle Sichtweise" ihres Vaters. Er glaube offenbar, eine Frau mit Kindern könne sich "nur zu 95 Prozent" auf einen Spitzenjob konzentrieren. Was sie trotzig mit "Bei mir reichen 95 Prozent allemal" kontert.

Doch der Gedanke an den Ruhestand - "Ich würde sofort sterben" - scheint das Oberhaupt des Murdoch-Clans mit Schrecken zu erfüllen. Letzthin hat er denn auch versucht, die Erwartungen der Sprößlinge zu dämpfen. Seine Kinder müßten sich noch einige Jahre gedulden, erklärte Murdoch öffentlich, "sie sind einfach noch nicht soweit, auch wenn sie das anders sehen dürften". Seither übt sich der Nachwuchs nach außen hin brav in Geduld. Ihr Vater werde noch lange an der Spitze stehen, sagt Elisabeth jedem, der es hören möchte.

Ein Konflikt in der Dynastie scheint unausweichlich. Rupert Murdoch hat vier Kinder - eine Tochter aus erster Ehe, die den Mediendschungel indes meidet, aus zweiter Ehe James, der in Amerika für Neue Medien verantwortlich ist, sowie Lachlan und Elisabeth. Nur in den beiden letzteren brennt der Ehrgeiz, es dem Übervater gleichzutun.

Ihre Mutter wurde offenbar schon früh von dunklen Ahnungen beschlichen. Vor elf Jahren veröffentlichte Anna Murdoch, die sich gerade von Rupert scheiden läßt, eine Novelle mit dem Titel Family Business, die heute geradezu prophetisch erscheint. Beschrieben wird darin die Zerstörung eines gewaltigen Medienimperiums durch den bitteren Streit von vier machthungrigen Sprößlingen, die alle ihren Vater beerben wollen, der vor seinem Tod keinen Nachfolger benannt hatte.

Aber weder Anna Murdoch noch ihre Kinder haben eine überaus brisante Wendung im Familiendrama voraussehen können. An der Seite Murdochs wandelt seit gut einem Jahr eine hochgewachsene attraktive Chinesin namens Wendy Deng. Die 32jährige, die sich guter Beziehungen zu Peking rühmt, war wohl noch vor ihrer Affäre mit dem Boß zur Vizepräsidentin von Star TV aufgestiegen, Murdochs strategisch höchst bedeutsamem asiatischen Satellitenfernsehen - seinem Einfallstor nach China.