Auf der Fensterbank in ihrer Küche steht eine dieser Topfblumen, die nur dann gedeihen, wenn sie vernachlässigt werden. Ein blaublühendes Pflänzchen mit pelzig-fleischigen Blättern. "Seit zehn Jahren ist sie bei mir. Ich finde sie unheimlich häßlich. Aber das darf sie nicht wissen", sagt Angelina Maccarone und streuselt schwarzbraune Schokokrümel über schneeweißen Cappuccinoschaum.

Sie hat es geschafft. So könnte man sagen. Wie aus dem Nichts ist Angelina Maccarone zu einer erfolgreichen Drehbuchautorin und Regisseurin im deutschen Fernsehen geworden. Und zwar mit Geschichten, die jeden Quotengläubigen zutiefst erschüttern müssen. Ihre Helden sind Heldinnen, Frauen, die sich obendrein in Frauen verlieben und dazu schwarz oder türkisch sein können. Sie gewann 1992 mit Kommt Mausi raus? (die Konfrontation einer lesbischen Tochter mit ihrer Mutter) den Drehbuchwettbewerb der Hamburger Kulturbehörde, ohne je eine Filmhochschule besucht zu haben. NDR-Fernsehfilmchefin Doris Heinze erkannte das Talent und ließ die unerfahrene wie hartnäckige Autorin Koregie machen.

Zierlich, ganz in Schwarz gekleidet, sitzt Angelina Maccarone im Sonnenlicht und lächelt verschmitzt, eine dreiunddreißigjährige Frau aus einem Provinzkaff namens Pulheim bei Köln, halb Italienerin, halb Deutsche und mit einem Namen wie ein Pseudonym.

Plötzlich liebenswert - und ein bißchen verrückt

Drei Filme hat sie bisher gedreht. Alle drei wurden vom NDR finanziert und ARDweit zur besten Sendezeit ausgestrahlt: Ihr letzter hieß Ein Engel schlägt zurück (1998). Immer ging es um Liebe zwischen Frauen, und jedesmal brach von Bild bis Süddeutsche einhellige Begeisterung aus. Publikumspreise der internationalen Gay and Lesbian Filmfestivals in New York, Toronto und Los Angeles wurden ihr zugesprochen. Im vergangenen Jahr zeichnete die europäische Filmequipe sie mit dem begehrten Regiepreis auf der Fernsehmesse in Köln aus. Sogar die Frankfurter Allgemeine Zeitung kam nicht umhin, lobend Kenntnis zu nehmen von dieser Filmregisseurin, die an Dürrenmatt erinnere und wie dieser witzig und tiefgründig "das Normalleben an außergewöhnlichen Vorkommnissen" sichtbar mache.

Sie kriegt sie - das ging nie und endete stets tragisch. Wieso geht das auf einmal? Angelina Maccarone stellt die Frage anders: "Wieso ging es vorher nicht?" Lesbische Frauen im kommerziellen Film waren stets tragisch Verwirrte, böse Dienerinnen, einsame Vampire, und nun sind sie auf einmal liebenswerte Menschen, ein bißchen verrückt und mit dem Willen zum Happy-End. Wer könnte sich damit nicht identifizieren?

Über den Publikumserfolg ihres ersten Fernsehfilms hat sie vor zwei Jahren ihre Magisterarbeit in Germanistik (Schwerpunkt Medien) an der Hamburger Universität geschrieben, Titel: Eine Mainstream-Lesben-Komödie und ihre kultur- und filmhistorischen Voraussetzungen. Sogar das ging. Vorurteile seien abschaffbar, dafür entstünden dann andere, ist sie zuversichtlich. "Es gibt die Homo-Ehe. Gut, aber was passiert, wenn jetzt plötzlich drei Frauen heiraten wollen? Oder wenn eine Witwe von ihren drei toten Lovern die Rente haben will?"