Max ist mein Name. Ich bin der Typ, der neulich "Unseren Mann" aus meiner Sicht vorstellte, den Menschen, der an dieser Stelle regelmäßig seinen Seelensenf ausquetscht. "UM" habe ich ihn genannt. Etwas geheimnisvoll. Etwas lächerlich. Etwas ex-DDR-haft raunend. Pardon. Ich nehme das zurück. Nennen wir ihn beim Namen: Edgar. Edgar der Entlassene, der Exhäftling. Edgar, das gescheiterte Optionen-Genie. Edgar wird, wie ich ihn kenne, in nächster Zeit noch einiges Lamento ertönen lassen. Ein Mann, der davon träumt, aus seinem Leben einen Roman oder einen Film zu machen, schreckt vor nichts zurück. Das schlimmste an ihm ist, daß er für ein Weichei wie Brad Pitt schwärmt. Im Gefängnis sitzen macht geschmacklos. Edgar selbst sieht besser aus. Dunkler Schopf. Nicht wie ein amerikanisches Grinspony. Eher schottisch. Mit ausgeleiertem Pullover könnte er als Intellektueller durchgehen. Anzüge stehen ihm nicht. Da sieht er aus wie ein Hochstapler.

Meinen Namen braucht man sich nicht zu merken. Ich habe vor, aus Edgars Dunstkreis zu verschwinden. Deutschland, ade. Private Gründe. Frau. Süden. Will auch mal in der Sonne liegen. Ich war der Finsterling, der den armen Edgar mit nächtlichen Anrufen traktiert hat. Ich habe unter dem Namen seiner De-facto-Exfrau Xenia idiotische Faxe an sein popliges Hotel in den französischen Bergen geschickt. Ich habe in seinen Tagebüchern herumgeschnüffelt. Ich bin der Mann im schwarzen Audi. Damit ist Schluß. Daß ein Auto namens Audi sich derart durchsetzen konnte, ist mir ein Rätsel. Wie kindisch das klingt. Nicht weniger kindisch ist der Laden, der sich Sinn-Stiftung nennt.

Seitdem Edgars Optionen-Zockerei auf Pump aufflog und er verknackt wurde, ist er mißtrauisch. Wittert ständig Fallen. Das hat mich gereizt, ihn noch mißtrauischer zu machen. Gemein von mir. Deshalb die Anrufe. Die Faxe. Ein Zermürbungsspielchen. Ich komme aus dem Osten. Leipzig. Man hört es mir nicht mehr an. Stasi-Mann gewesen. Keiner Fliege ein Bein gekrümmt. Aber observiert wie geschmiert. Nichts anderes gelernt. Was macht man dann im Westen? So viele Privatdetektive brauchen sie nicht.

So bin ich bei Paulus gelandet. Als Mann fürs Grobe. Paulus ist ein Wichtigtuer. Will mehr Geld und Einfluß haben. Redet sich ein, an die Statuten seiner Stiftung zu glauben. Also kein Zyniker, mit dem man sich gepflegt unterhalten kann, sondern ein echter Idiot. Macht sich vor, sein Laden täte wirklich Gutes. Er sei nicht an den zu erwartenden Gewinnen interessiert. Seine Stiftung ist eine Art Finanzschleimzentrifuge. Harmlos. Hat weniger Dreck am Stecken als eine Bank, die mit fieseren Methoden Geld vermehrt.

Paulus, mit seiner verdächtig drumherumreden-den Art, gelang es natürlich nicht, den leicht paranoiden Edgar zur Mitarbeit zu bewegen. Deshalb bat er mich. "Überreden Sie ihn. Sie haben das doch gelernt im Osten!"

So lebe ich schon seit einer Weile von Edgar, und zwar nicht schlecht. Unglaublich, welche parasitären Jobs der Kapitalismus bereithält. Paulus zahlt mir Pauschalen. Paulus zahlt Spesen. Wenn ich Edgar dazu kriege, für Paulus zu arbeiten, gibt es ein Erfolgshonorar. Dazu wird es nicht kommen. Es ist mir zu dumm geworden.

Es hat mir Spaß gemacht, so ist es nicht. Ein bißchen Macht haben, ein bißchen am Schicksal anderer herumdrehen. Die Leute wachsen einem ans Herz, die man zu betreuen hat. Man will ihr Bestes. Wirklich. Man interessiert sich für ihr Privatleben. Edgar hat eine andere Frau verdient als Xenia. Ihr Name ist das einzig Gute an ihr. Die Beine sind auch nicht schlecht. Aber sonst eine Zimtzicke. Eine Bankerschickse. Penthouse ist ihr Alles. Ohne Whirlpool geht nichts. Daß Edgar so auf sie fixiert ist, liegt vermutlich an der Haft. Im Gefängnis kann man sich nonstop nach einer Frau sehnen, die nichts mehr von einem wissen will, monatelang. Monatelang hat sie keine Gelegenheit, einen zu enttäuschen. So entsteht echte, unverwüstliche, sinnlose Liebe. Dabei ist es längst aus. Edgar braucht keinen obskuren Job in der Stiftung. Er braucht eine neue Frau. Auch Söhnchen Jakob kann er vergessen, dieses von der schicken Mama verzogene Balg.