Sofia

Nicht überall auf dem Balkan stehen die Dinge schlecht. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Kosovo haben Makedonien und Bulgarien sich miteinander arrangiert - nach fast einem Jahrhundert der Feindseligkeit. Ihre Versöhnung im vergangenen Monat wird, so hoffen sie, den Trend zu noch mehr Krieg in der Region umkehren und eine Gegenbewegung hin zu Toleranz und Kooperation auf dem verwünschten Balkan anstoßen. Die Initiative der beiden Länder soll uralte ethnische Zwistigkeiten überwinden und dazu führen, daß die Völker eine "zivilisierte", "europäische" oder sogar "transatlantische" Mentalität entwickeln.

Bewußte Toleranz konnte den Konflikt entschärfen

Außerdem war Makedonien im Zweiten Balkankrieg vor 90 Jahren, bevor es sich von der ottomanischen Herrschaft befreite und dem neuen Jugoslawien beitrat, Schauplatz einiger der fürchterlichsten Grausamkeiten in einem besonders brutalen Konflikt. Es ist noch gar nicht so lange her, da brachten sich die miteinander verwobenen Bulgaren, Griechen, Serbien und Türken gegenseitig um und verwüsteten die Dörfer der jeweils anderen.

Zuletzt hatte die kommunistische Regierung den Boden für wachsende Xenophobie in Bulgarien bereitet. In den achtziger Jahren begann das alte Regime eine wilde antitürkische Kampagne, sie zwang die bulgarischen Türken, ihren Namen zu slawisieren, und trieb rund 350000 von ihnen - die Hälfte ihrer Volksgemeinschaft - aus dem Land, obwohl ihre Familien über Generationen in Bulgarien gelebt hatten.

Das damalige Pogrom fand eine Resonanz in der Bevölkerung. Es heizte erneut die Empörung über das jahrhundertelange türkische Joch an, von dem sich Bulgarien zu Ende des 19. Jahrhunderts befreien konnte. Diejenigen Bulgaren, die versuchten, den Haß zu dämpfen, wurden als Verräter gebrandmarkt und mit Mord bedroht.

Doch die Menschenrechtsaktivisten appellierten an eine teilweise verschüttete bulgarische Tradition - die Toleranz. Sie erinnerten Anrufer bei den von ihnen eingerichteten Telefondiensten daran, daß ihr Land seine Juden während der Nazizeit gerettet hatte. Die Bulgaren sollten stolz auf diesen Teil ihrer Geschichte sein, ermahnten sie die Anrufer, und nicht ihre gute Reputation vernichten. Zum Schluß waren die Aktivisten und die demokratischeren Politiker der neunziger Jahre erfolgreich; sie beendeten die Verfolgung der bulgarischen Türken. Seither sind viele der damaligen Vertriebenen zurückgekehrt.