Filmemacher sind Zauberer, und sie haben dieselbe Ethik wie diese. Ein guter Magier gibt immer zu, daß er mit Tricks arbeitet, ja, er besteht darauf. Käme einer daher und behauptete, echte Wunder zu wirken, so beginge er eine Sünde wider den Geist der Zunft. Ähnlich verführe ein Filmemacher, der so täte, als entspränge sein Werk unmittelbar dem Leben selbst.

Beim Fernsehen gibt es Leute, die sind so dumm. Es bleibt nur zu hoffen, daß ein empörtes Publikum ihre Produkte ins Quotenaus stößt. Die "Doku-Soap", nach längerem Geraune jetzt als Clubschiff auf RTL zu sehen, ist los - und sie geht so: Echte Urlauber und wirkliche Animateure auf dem real existierenden Kreuzfahrtschiff Aida werden nicht nur mit Kamera und Mikro verfolgt (Doku), sie werden obendrein zu Helden einer "Soap", also einer Serie befördert, in der das Schicksal echt zuschlägt, Menschen einander wirklich finden und verlieren und gute mit schlechten Zeiten real wechseln. Und das über sechs Folgen.

Der Rest des Clubschiffs ist nicht besser. Freude werden an dem hybriden Krampf höchstens solche Zeitgenossen haben, die sich gewohnheitsmäßig selbst auf Reisen filmen und das Getue, in das sie vor ihrer eigenen Kamera verfallen, für eine Abart höherer Wahrhaftigkeit und deshalb für sehenswert und öffentlich präsentabel halten. Inzwischen sind es nur noch die im Geiste Allerärmsten, die derart ihr Ego aufblasen und dann auch noch darauf brennen, sich die Entsprechung im Fernsehen anzutun.

An "Doku-Soap" als Konzept stört weniger der dokumentarische Ehrgeiz als das Bemühen, "Soap", das heißt im Fernsehen vorzeigbare schicksalhafte Verstrickungen, dem Leben selbst zu stehlen. Wäre das Leben ohne die Brille der Kunst und der Deutung lesbar, brauchten wir keine Medien. Durch Sendungen wie Clubschiff schafft das Fernsehen sich selber ab.