Allen harschen Vorwürfen zum Trotz - Respekt vor den Wettbewerbshütern hat der Chiphersteller Intel bisher stets gezeigt. Deswegen war es keine Überraschung, daß Intel sich am Montag mit der US-Handelsbehörde Federal Trade Commission (FTC) auf einen Vergleich geeinigt hat - einen Tag bevor der Kartellprozeß gegen das Unternehmen beginnen sollte. Die FTC warf Intel vor, sein Quasimonopol bei Computerchips dazu mißbraucht zu haben, um sich Konkurrenz vom Leibe zu halten. Die Behörde will erreichen, daß dominante High-Tech-Unternehmen ihr geistiges Eigentum nicht dazu verwenden, anderen Unternehmen Patente abzupressen - und damit Innovationen zu verhindern. Genau dessen soll sich Intel schuldig gemacht haben: Als die Computerfirma Intergraph den Chipkonzern wegen Patentverletzung vor den Kadi zerrte, weigerte der sich fortan, den Kläger mit Informationen über seine neuen Prozessoren zu versorgen. Deswegen konnte Intergraph neue Rechner erst mit Verspätung ausliefern. Ähnlich ging Intel mit Compaq und Digital Equipment um.

Die Fakten hat Intel-Chef Craig R. Barrett nicht bestritten, wohl aber die Interpretation: Intel habe nur sein geistiges Eigentum schützen wollen. Mit dem Vergleich wollen beide Kontrahenten einen Prozeß mit unsicherem Ausgang vermeiden: Die Klage der FTC stand rechtlich auf tönernen Füßen. Intel mußte dennoch befürchten, offiziell zum Monopolisten erklärt zu werden. Das hätte den Chipkonzern geschäftlich mehr eingeengt als jetzt der Kompromiß.