Europas Umweltpolitik voranzutreiben - das schworen sich die rot-grünen Koalitionäre zu Bonn, als sie im Januar die EU-Präsidentschaft übernahmen. Und darauf hoffte auch Brüssels Umweltkommissarin Ritt Bjerregaard. Inzwischen ist die Dänin jedoch "enttäuscht": In Sachen Ökologie zeige der deutsche EU-Vorsitz, allen voran also der sonst so streitbare Umweltminister Jürgen Trittin, "leider nur sehr wenig Profil". Ein grünes Machtwort vermißt Bjerregaard etwa zu den Verhandlungen um die EU-Agrarreform: "Die deutsche Präsidentschaft muß aufpassen, daß ökologische Aspekte dabei nicht einfach unter den Tisch fallen." Genau diese Gefahr drohe jetzt aber mit den Kompromißvorschlägen von Bonns Agrarminister Karl-Heinz Funke. Vertraulich hat Kommissarin Bjerregaard bereits mehrfach Trittin aufgefordert, sich für eine stärkere Förderung von Ökobauern einzusetzen. "Doch bisher", so sagt es ein EU-Beamter, "hören wir nichts."

Geradezu "schockiert" reagierten Brüsseler Umweltbeamte auf Bonner Versuche, die geplante EU-Richtlinie zur umweltgerechten Entsorgung von Altautos zu blockieren. Zwar hatten sich die 15 EU-Umweltminister bereits auf einen Kompromiß geeinigt, der zudem etliche Schwermetalle aus Pkw-Teilen verbannt. Auch Trittin schien damals einverstanden. Inzwischen jedoch zeigen in Bonn Proteste vom Verband der Europäischen Autmobilhersteller (ACEA) erstaunliche Wirkung. ACEA-Vorsitzender ist derzeit VW-Chef Ferdinand Piëch, bekanntlich ein Mann mit direktem Draht zum Kanzler.