Unter den rechten Flügelleuten der europäischen Politik war er immer schon der fescheste. Der frechste auch und damit ganz erfolgreich. Immerhin brachte Jörg Haider es ja schon einmal zum Landeshauptmann von Kärnten. Und hätte seinerzeit sein inneres Ich das berüchtigte Lob für "Hitlers Beschäftigungspolitik" nicht so laut aus ihm herausgerufen, wäre er ja auch nicht zurückgetreten; das hat er eh bald bereut, der Jörg (den Rücktritt, nicht den Anlaß).

Nun, nach dem gewaltigen Kärntner Wahlsieg vom Sonntag - und den beachtlichen FPÖ-Ergebnissen in Salzburg und Tirol - hat Haider seine zweite Chance. Er wird sie nutzen. Fesch und modisch ist er immer noch, mit 49 nicht mehr ganz im Nachwuchsalter, er gibt sich etwas moderater, manche sagen: staatsmännischer. Gewechselt haben auch seine Vorbilder. Früher waren es Exoten wie Perot oder Gingrich. Heute kopiert er lieber Schröder. Wie dieser wirbt Haider für Bündnisse der Vernunft zur Lösung wirtschaftlicher Probleme. Sich selbst empfiehlt er als Moderator. Jö schaut's, wie bescheiden, der Jörgl.

Die Wahl des Siegers (42 Prozent) zum Landeshauptmann werden SPÖ und ÖVP nicht verhindern können, zumal Haiders FPÖ ohnehin mitregieren muß: Die Landesverfassung sieht einen Allparteienproporz vor. Aber das ist zweitrangig. Heute gehört ihm Kärnten. Und morgen? Haider steht wieder vor den Toren Wiens. Auf die Europawahl am 13. Juni freut er sich jetzt schon. Und dann auf die Nationalratswahl im Herbst.

Seit Sonntag trägt Haider wieder Krawatte. Man sieht: Es wird ernst in Österreich.