Das Loch. Das Loch heißt nur so. Das Loch ist ein Stück Elbe. Und eine vielbefahrene Schiffahrtsstraße. Von Stromkilometer 632 bis Stromkilometer 636, 4000 Meter lang, 3000 Meter breit, knapp ein Fünftel so groß wie der Starnberger See. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich: im Westen die Insel Schweinesand, im Osten Finkenwerder, nach Süden zu die Estemündung und dahinter, bei gutem Wetter, die Harburger Berge. Vor allem aber sehe ich: Elbe.

Im Augenblick ist sie schiefergrau. Grau ist sie häufig. Grau zwischen Schwarzgrau, Asphaltgrau, Eisgrau. Wo die Sonne durch die Wolken bricht, schimmert zum Beispiel ein silbergrauer Streifen. Unwillkürlich kneift man die Augen zusammen. Flüsse sind schwer zu beschreiben. Besonders dieser. Immer wieder sieht er anders aus. Manchmal, ganz selten, liegt die Elbe da wie Blei. Meist aber schiebt sie mit der Flut stadteinwärts oder wälzt sich bei ablaufendem Wasser Richtung Nordsee. Bei schwachem Wind kräuselt eine leichte Dünung, bei Sturm treiben Schaumkronen vorbei. Mindestens einmal im Jahr tritt die Elbe über die Ufer; dabei laufen am Strandweg die Keller voll.

Wenn Freunde uns besuchen, sagen sie als erstes: toller Blick! Na ja, sagen wir dann und spielen die Sache herunter. Das lästige Treppensteigen. Überschwemmungen. Hohe Mieten. Trotzdem haben sie natürlich recht.

Der Plan. Der Plan sieht folgendes vor: Vom kommenden April an rücken acht hydraulische Schlagrammen in das Mühlenberger Loch ein. Auf einer Strecke von 1570 mal 1470 Metern werden Spundwände in den Elbboden getrieben. Dahinter wird Sand aufgespült. 11 bis 13 Millionen Kubikmeter. Anschließend werden Hochwasserschutzwände in eine Höhe von 8,90 Metern über Elbniveau gestemmt.

Im nächsten Frühjahr beginnt der Bau der Produktionshallen. Zwei Kilometer lang, 14 Stockwerke hoch. Anfang des Jahres 2003 soll schließlich die verlängerte Start- und Landebahn zur Verfügung stehen. Denn, so will es der Plan: Am 15. April 2003 hebt der erste Super-Airbus der neuen Baureihe A3XX vom Gelände der DaimlerChrysler Aerospace AG (Dasa) in Hamburg-Finkenwerder ab. Ein Vogel der Superlative. Moderner, schneller, kostengünstiger als das einzige vergleichbare Großflugzeug der Welt, der Jumbo-Jet des Konkurrenten Boeing.

Mindestens vier, möglicherweise auch acht Maschinen pro Monat will die Dasa im nächsten Jahrtausend ausliefern. Bei Bedarf gern mehr. Denn, so heißt es in den Unterlagen: "Wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat, sind Anfangsprognosen immer zu niedrig gewesen." Aus diesem Grund müsse man "bei der Auswahl des Standortes die Erweiterungsmöglichkeiten der Betriebsflächen als Bedingung der Standortentscheidung voraussetzen". Wie der Plan schon sagt. Der Plan jedenfalls steht fest.

Der Standort. Der Standort dagegen macht Kopfzerbrechen. Wo der A3XX tatsächlich gebaut wird, will das europäische Konsortium Airbus Industries irgendwann entscheiden. Ende des Jahres vielleicht. Oder Anfang kommenden Jahres - Genaueres ist nicht zu hören. Nur, daß der Erstflug höchstwahrscheinlich nicht 2003 stattfinden wird. Wegen der Asienkrise, heißt es. Flugzeuge von der Größe des A3XX würden überwiegend im pazifischen Raum eingesetzt. Falls genügend Nachfrage besteht.