Eine Bekanntschaftsanzeige, aufgegeben im Wonnemonat Mai, sollte vor zwei Jahren der 81jährigen Ladislava G.-H. zu spätem Glück verhelfen. Auf ihre Annonce hin meldete sich Alfred H. Der rüstige 67jährige gefiel der Inserentin gut, nur fehlte ihm leider zu gemeinsamen Spaziergängen und romantischen Abenden die nötige Ruhe, denn ihn plagten Geldsorgen. Kaum 14 Tage mit ihm bekannt, half Ladislava G.-H. dem Galan schon mit 20 000 Mark aus. "Charme hat er schon gehabt", sagt sie. Insgesamt soll sie ihre schönen Stunden mit Geld und Wertpapieren in Höhe von 100 000 Mark bezahlt haben. "Ich war eben dumm. Und Dummheit wird bestraft", sagt Frau G.-H. versonnen im Amtsgericht Hamburg-Blankenese. Dort ist ihr Alfred als Heiratsschwindler angeklagt. Nachdem er nämlich die Rücklagen der 81jährigen in seinen Besitz gebracht hatte, hatte er sich nur noch selten bei ihr blicken lassen: "Er war immer irgendwo, bloß nicht bei mir."

Alfred H. macht durchaus etwas her. Sein volles graues Haar trägt er stramm gebürstet, die Haltung ist gerade und drahtig. Damals verstanden sich die beiden sofort, vielleicht weil ihre Heimat dieselbe ist. Herr H. legt großen Wert auf hergebrachte Bezeichnungen: "Was heißt hier CSR, für mich heißt das Sudetenland." Ehe er sich noch weiter erregen kann, übernimmt sein Anwalt die Verhandlungsführung. Natürlich sei Geld übergeben worden, erklärt der Advokat. Das sei aber als Darlehen verliehen worden. "Das war reine Hilfsbereitschaft, es ging gar nicht ums Heiraten."

Frau G.-H. versichert hingegen, Alfred habe ernste Absichten gehabt. "Er wollte sich immer verloben und heiraten. No, ich hab' da gar keinen Wert darauf gelegt, ich hatte ja mein Auskommen." Aber auch sie dachte an einen gemeinsamen Lebensabend und half Alfred weiterhin großzügig aus. "Er war Geschäftsmann, da kommt man schon mal in Verlegenheit."

Alfred H. geriet offenbar von einer Verlegenheit in die nächste. Sein kleines Geschäft litt Not, eine Rate für eine angebliche Eigentumswohnung mußte bezahlt werden, und ihn selbst gelüstete es nach einem angemessenen Fahrzeug. "Ob das nötig war? Ich weiß nicht, Geld hatte er jedenfalls nicht. Was Besonderes sollte es schon sein. Große Pläne hatte er ja immer", erinnert sich Frau G.-H. Bar händigte sie ihrem Alfred insgesamt 65 000 Mark aus und ließ sich die Summe quittieren. "Gern hat er nicht unterschrieben." Bei einem gemeinsamen Besuch in der Bank soll Herr H. überdies die Wertpapiere seiner Liebsten aus dem Safe genommen und in seine Obhut überführt haben. "Ich hab' gebettelt, gib sie mir wieder, aber er hat gesagt, ich bringe sie zu meiner Bank."

Frau G.-H. sah weder ihre Barschaft noch die Papiere jemals wieder. Und auch das Geld für die Verlobungsringe ist wohl verloren. Ausgesucht hatte die Ringe noch ihr Alfred, doch fehlten ihm die 284 Mark, um sie zu bezahlen. "Man glaubt ja immer das Schönste, wenn man verliebt ist", erklärt Frau G.-H., darum habe sie auch nie eine Rückzahlung vereinbart. Man habe ja doch zusammenleben wollen. Sie glaube heute nicht, daß sie auch nur eine Mark wiederbekomme, erklärt sie dem erstaunten Richter, aber dennoch wolle sie nicht, daß Herr H. bestraft werde. "Ich hab's geschluckt, was blieb mir übrig. Heute wünsche ich ihm nichts Gutes und nichts Schlechtes. Basta."

Weil sich die Betrugsabsicht nicht beweisen läßt, stellt der Richter das Verfahren ein, dafür muß Alfred H. jedoch sofort 45 000 Mark an seine Verflossene überweisen. Leider ist er derzeit wieder pleite, aber es fügte sich gut, daß seine Kinder 75 000 Mark als Sicherheitsleistung aufbrachten, um den Vater aus der Untersuchungshaft zu befreien. Aus dieser ihm ja nur anvertrauten Summe begleicht Alfred nun seine alten Schulden.