Die Analyse der beiden Autoren geht an vielen Stellen an den Fakten vorbei. Bei der Verwaltungsstrukturreform Nordrhein-Westfalen sollen zum Beispiel so viele Aufgaben wie möglich auf die Kommunen übertragen werden. Das sind naturgemäß nicht alle, wie die ZEIT behauptet. Die Personalräte wurden und werden selbstverständlich beteiligt. Die Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten und ihrer Personalvertretungen werden penibel beachtet.

Bereits am 27. November 1997 wurde eine Rahmenvereinbarung über die Grundprinzipien der Verwaltungsreform zwischen der Landesregierung, dem DGB und dem Deutschen Beamtenbund abgeschlossen. Sie wird Punkt für Punkt eingehalten. Die Landesregierung ist außerdem bereit, mit allen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes entsprechende Vereinbarungen zu treffen. Warum der Spitzenplatz bei Unternehmensgründungen, den NRW trotz der unbestrittenen Strukturprobleme bundesweit einnimmt, kritikwürdig ist, bleibt das Geheimnis der ZEIT.

1997 gab es in NRW 10 275 zusätzliche Unternehmen. Damit liegt das Land an erster Stelle, deutlich vor Bayern (6717), Hessen (4431) und Baden-Württemberg (4271). Ein Trend, der sich 1998 fortgesetzt hat: In NRW wurden 11 966 Unternehmen zusätzlich gegründet.

Schwer verständlich auch, weshalb die Autoren den Umzug der Düsseldorfer Staatskanzlei in das modernste und umweltfreundlichste Bürohochhaus Europas monieren: Ist es wirklich ZEIT-gemäß, wenn immer alles beim alten bleibt, der Energieverbrauch wie das Selbstverständnis öffentlicher Verwaltung ("Der Beamte sitzt, der Bürger steht, Dienstleistung ist etwas für Kellner, nicht für uns")?

Last but not least: Herzlichen Dank für den wiedergegebenen Befund, die Menschen in Nordrhein-Westfalen seien kleinbürgerlicher und rückständiger als andere. Wie kann das sein, wo doch Ihre Zeitung in diesem Land eine so beachtliche Auflage hat?

Joachim Neuser, Landespresse- und Informationsamt NRW, Düsseldorf

Sicher kann man über Wolfgang Clement geteilter Meinung sein; daß er aber 1995 bei seinem Antritt als Wirtschaftsminister "seinem Ressort erst mal die Verkehrspolitik ein(verleibte), die bis dahin zum Städtebauministerium gehörte", erscheint dann weniger als fragwürdiges Machtkalkül, wenn man berücksichtigt, daß der Bereich Verkehr von 1950 bis 1985 bereits zum Wirtschaftsministerium gehört hatte. In dieser Perspektive hat Clement also 1995 den ursprünglichen Ressortzuschnitt restauriert, dessen innere Logik im übrigen im Vergleich mit jenem der Jahre 1985 bis 1995 nicht so schlecht abschneidet.