Michael Wex: Shlepping the exile; Roman, aus dem Englischen von Heiko Lehmann; Verlag Ricco Bilger, Zürich 1998; 187 S., 38,- DM

Ein Buch mit erheblicher Windstärke! Eine Ahnung davon, was der kanadische Autor Michael Wex in diesem Pubertätsroman zusammenwirbelt, gibt schon der Titel: Shlepping the exile, ein Kauderwelsch aus Jiddisch und Englisch. Das Wort Konflikt ist ein wenig zu niedlich für die kulturellen Zerreißproben, denen Joine Levkes, der jugendliche Held und Ich-Erzähler des Romans, ausgesetzt ist. Joine lebt mit seiner via Shanghai aus Osteuropa geflohenen Familie in einem kanadischen Provinznest, eine streng orthodoxe Gemeinde im Rücken, den Talmud im Ohr und eine Welt vor Augen, in der es grundsätzlich anders zugeht als bei ihm zu Hause, in der es keinen Sabbat und erst recht keine langen Locken an den Schläfen heranwachsender Beatniks gibt. Für Joine Levkes gipfelt diese nichtjüdische Welt in zwei Fetischen, die in seinem Vaterhaus absolut verboten sind und die er dennoch eingeschmuggelt hat: eine Elvis-Presley-Platte und ein Nacktmagazin. Den Schweinkram verwahrt er unter seiner Matratze. Eines Tages findet seine Mutter das Nudist Magazin. Der Himmel öffnet sich, ein Donnerwetter bricht herunter. Joine Levkes zieht den Kopf ein, aber von dem wilden Entschluß, ein in allen Bereichen des weltlichen und männlichen Lebens informierter Junge zu werden, ist er nicht abzubringen. Der Skandal ist der erste einer ganzen Reihe schlagartig eintreffender und wie rasend erzählter dramatischer Höhepunkte. Joine Levkes steht ganz einfach unter emotionalem Hochdruck, und entsprechend aufgeheizt ist seine Erzählweise; jeder Satz ein Ausruf, der ganze Roman eine einzige Aufregung. Der Roman, von dem enthusiastischen Schweizer Kleinverleger Ricco Bilger herausgebracht und von Heiko Lehmann gekonnt in ein deutsch-jiddisches Kauderwelsch übersetzt, ist das einzige der Leserin bekannte Buch, dessen Deckel in der Dunkelheit phosphoresziert! Man dreht sich auf die andere Seite, späht nach der Uhr, und da leuchtet es einem unvergeßlich und hellwach entgegen: SHLEPPING THE EXILE.