Leichen liegen herum; Geschlachtete in blutigen Plastiksäcken, Hunde mit heraushängenden Därmen (und solch ein Darm läßt sich wie eine Wursthaut über den vom Krieg verstörten Kopf ziehen), irrlachende Krieger tanzen mit toten Mädchen, und alle schlurfen blutversabbert herum: die Griechen in Fetzenhosen und Schmuddel-Shirts, die Amazonen in gelben dreckbesudelten Fähnchen.

Kinder sind's, plattbrüstig noch, mit Turnschuhen und Springerstiefeletten an den Stakelbeinchen. Die kindlich trotzigste von allen ist Penthesilea, ihre Königin, die eine Schnute zieht und äffisch grimassiert, wann immer ihr was dämlich vorkommt: der Krieg, die Liebe, Männer und Zwänge.

Ach, diese Männer hatten einst das stolze Troja erobern wollen, nun gammeln sie seit Jahren vor den Mauern; bis eines Tags die Weiberhorden aus den Wäldern aufgetaucht waren, sich Zuchtbullen heimzuholen aus der Griechenschar, aber auch das war blutig schiefgegangen. Längst waffenlos und im Hemd stehen sie alle ratlos herum auf der glatten, holzgetäfelten und mit Sperrholz rundum vernagelten Welt (Bühne: Robert Ebeling). Zwei bewegungslose Riesensegel, bühnengroß beinah, versperren, statt ins Weite zu entführen, jeden Ausblick. Und doch wollen die ausgepumpten Girlies nur noch heim, samt ihren eingefangnen Kerlen. Penthesilea aber, ein verzogener Fratz, hat ihr Wild noch nicht erlegt, und eher geht sie nicht, bis sie ihn hat, den Held Achill. Hier wird ein kurioser Kampf der Tertia geführt, irgendwo in einem holzgedielten Blachfeld, wo die Kerls ihre Striemen salben und die Mädels Rosen pflücken - und Kleist sprechen!

Schwierigste Verslawinen aus Metapherngebirgen und Gefühlsabgründen - geht so etwas in solchem Milieu? Keineswegs. Wie sollen Hinterhofgören Verse atemloser Poesie gestalten, wie den Kleistschen Wust aus Stilfiguren und Gedankenpirouetten zum Tanzen bringen? Die Frage bleibt offen.

Mag Andreas Kriegenburgs Gedanke, das krause Kriegsgewurle Kindgemütern auszuliefern, apart (und naheliegend) gewesen sein, vor Kleists Denk- und Sprechkaskaden stürzt er in Staub (oder in die Sandkiste). Verweinten Horror-Tussis nimmt man, Trash-movie-geübt, allenfalls Zweiwortsätze ab, nicht aber, Kompliziertes denken oder gar formulieren zu können: Komplexes, das bei richtigem Denken und rechtem Sprechen glasklar, ja brillant strahlte.

Von Kleists Kühnheiten bleibt nur ein nöliger Trotz

In dieser allen Auseinandersetzungen mit Kleist, mit Gewalt und Eros also, mit Macht, Unterwerfung, Eigenliebe, Zärtlichkeit und Sinnengier, feig ausweichenden Inszenierung stehen ratlose Figuren in einem unberatenen Geschehen und flüchten sich in Faxen.