Nur wer wirbt, wird - reich zum Beispiel, bekannt zumindest. Bislang war die Architektenschaft vor diesem Dogma des Medienzeitalters stets vornehm zurückgewichen. Das Werk allein sollte Werbung genug sein. Doch nun hat diese Vornehmheit ein Ende: Als erste hat die sächsische Architektenkammer alle Reklamerestriktionen aufgehoben, die anderen 15 Länderkammern werden ähnlich handeln, schon weil das EU-Recht es so will. Die Folgen? Profitieren werden vor allem die großen Büros, die sich Kampagnen in den Kinos und Feuilletons leisten können. Viel wirkungsvoller wäre die neue Freiheit, wenn man sie mit einer kleinen Werbepflicht verknüpfte. An jedem Hauseingang sollte eine Plakette hängen, auf der der Architekt, ein Auftraggeber und das Baujahr stehen. Schließlich baumelt heute an jedem Maschendraht das Logo des Herstellers, und die Fassaden der Hochhäuser sind zugepflastert mit buntflackernden Signets und Namen - nur der des Architekten fehlt. Warum eigentlich? Will er sich drücken? Wenn sein Name dort stünde, dann wüßten wir endlich, bei wem wir uns bedanken und beschweren dürften. Die Häßlichkeit wäre nicht länger ein unabwendbares Schicksal, und ein Architekt mit Mut und Phantasie würde viel schneller bekannt als bisher. Die anonyme Baumasse bekäme mit dem Namen plötzlich ein Gesicht, sie wird zum Werk eines einzelnen - über das man sich ärgern oder wundern kann. Wenn also Werbung, dann bitte in der Wirklichkeit - denn die interessiert uns viel mehr als ein geschöntes Image.