Der pharmazeutische Ausschuß im japanischen Ministerium für Gesundheit und Wohlfahrt empfiehlt jetzt die Zulassung der Pille: vier Jahrzehnte nachdem die Frauen in den Ländern der westlichen Welt den Zugang zu dem empfängnisverhütenden Medikament gewonnen hatten.

Es kümmerte bisher die Regierungen in Tokyo nicht, daß ihr Land das einzige unter den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen war, das sich der Pille verweigerte. Die Behörden bestanden vielmehr darauf, das Mittel sei mit unberechenbaren Risiken belastet. Die Gefahren einer Abtreibung, von denen Jahr um Jahr mehr als dreihunderttausend registriert werden, hielt man für geringer - zum Vorteil der Ärzte, die für eine Schwangerschaftsunterbrechung mehr als achthundert Dollar kassieren. Das Genehmigungsverfahren für die Potenzarznei Viagra aber wurde schwungvoll in nur sechs Monaten erledigt. Man sprach darum mit guten Gründen von einer Doppelmoral. Am Ende wichtiger: In diesen Wochen hat die Arbeitslosenziffer Japans zum ersten Mal die der Vereinigten Staaten übertroffen. Zusammenhänge mit dem Sinneswandel in Sachen Pille sind nicht ausgeschlossen.