Als Stanley Kubrick mit der Arbeit an seinem Film 2001 - Odyssee im Weltraum begann, wurde er von dem MIT-Professor Marvin Minsky wissenschaftlich beraten. Der ausgewiesene Experte für Künstliche Intelligenz schlug dem Regisseur vor, Abbildungen von Fraktalen einzusetzen, um die ganze Schönheit des Computerns zu zeigen. Kubrick entschied sich gegen die bunten Bilder und für die Stimme eines Radiosprechers - der bei der Aufnahme seiner Sätze nicht einmal wußte, daß er die Rolle eines Computers sprach. Doch mit dem Computer HAL schuf Stanley Kubrick das Image vom Computer schlechthin. Der Superrechner ist neben Godzilla das bekannteste Requisit der Filmgeschichte, fanden Medienforscher unlängst heraus.

Am Wochenende machte die Nachricht aus England vom Tod Stanley Kubricks die Runde, und die Netzgemeinde trauerte: Für viele Programmierer gehört HALs Geschichte einfach zur Grundausbildung in der Informatik. Unter dem Titel HAL's Legacy erschien 1997 ein opulent aufgemachtes Buch, das den aktuellen Stand der Computerwissenschaften mit den hypothetischen Annahmen von Kubricks Filmen verglich - nicht immer zum Vorteil der Wissenschaften .

Zur Hommage an Kubrick haben seine Fans am Wochenende die Titelmusik seines Antiatomkriegsfilms Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben im zünftigen MP3-Format ins Internet gestellt. In diesem Film philosophiert eine Bombe über den Sinn des Lebens und kommt von selbst auf eine zündende Idee.

Wie passend wirkt da die gleichzeitig mit der Nachricht über Stanley Kubrick verschickte Schlußmeldung zum britischen Militärsatelliten Skynet 4D, der, wie es heißt, nur eine kurzfristige innere Störung gehabt habe.

Tage zuvor klang alles viel alarmierender. Angeblich sei Skynet 4D von Hackern aus seiner Position im All "gekidnappt" worden, hieß es in groß aufgemachten Berichten. Den Meldungen zufolge wollten die Hacker gegen Zahlung eines "Lösegeldes" den Satelliten wieder der Kontrolle des britischen Militärs unterstellen. Was auf diese Nachricht vom Satellitenklau folgte, war eine längere Serie von Dementis und Korrekturen, in denen die Geschichte immer verworrener wurde. Am Ende sollten sich gar amerikanische und russische Spezialisten eine Art sportlichen Wettkampf geliefert haben, wer denn an einem fremden Satelliten besser herumruckeln kann.

Nun ist also nichts gewesen, nur eine kleine Bewusstseinstrübung eines Satelliten. Wie passend, daß sämtliche Daten über Skynet 4D aus der fraglichen Zeit vom 19. Februar bis zum 2. März aus der Bewegungsdatenbank verschwanden, die die Nasa für alle im All herumfliegenden Gegenstände im Internet veröffentlicht. Erst vom 2. März an gibt es wieder Positionsangaben von Skynet 4D, die mißtrauisch machen. Nun soll er + 0,2 Grad östlich seiner eigentlichen Position stehen - nach dem Urteil von Fachleuten eine beträchtliche Abweichung.

Irgend jemand hat also gefummelt. Vielleicht war es das britische Militär, vielleicht die Dienste anderer Mächte. Den Hackern trauen es die allerwenigsten zu, schon wegen der Sendeleistung, die man braucht, um einen Satelliten im Orbit zu erreichen. Außerdem sollen Hacker sowieso Besseres zu tun haben: Nach einer ebenfalls aus England stammenden Meldung fordert der dortige Verband der Internet-Provider die Regierung auf, alle Top-Hacker in den Polizeidienst einzustellen. Dort sollen sie im Auftrag der Regierung bedenkliche E-Mails knacken. Bei einem solchen Projekt wird niemand Zeit haben, auch nur einen kurzen Blick in den Himmel zu richten.