Die Grünen sind langweilig geworden. Sie bewegen nichts mehr, weil sie selbst nichts mehr bewegt. Ihr Außenminister ringt als EU-Ratspräsident um historische Entscheidungen, doch die Basis auf dem Erfurter Europaparteitag interessierte sich bestenfalls für Brüsseler Randthemen. Gleichmut schlug auch der grünen Gesundheitsministerin entgegen, die in Bonn das marode Sozialsystem reformieren will und vor den Delegierten nicht einmal reden durfte.

Die Gestaltung des Landes entfacht kein Feuer in den Herzen - das lodert allenfalls, wenn die "Promis" dem grünen Mittelmaß zu Leibe rücken: Selten haben Kerstin Müller und Gunda Röstel so leidenschaftlich gesprochen wie in Erfurt, wo es galt, die alten Parteistrukturen zu verteidigen. Von der "alternativen Bewegung" früherer Tage ist ein träger, selbstgefälliger Funktionärskörper geblieben, der nur noch zuckt, wenn er getreten wird.

Joschka Fischer, der in schweren Stiefeln kam und in Diplomatenschühchen ging, hofft nun auf die Schmerzhaftigkeit der Fakten: Spätestens nach den nächsten fünf verlorenen Wahlen, raunt er, werde die Partei erwachen. Das mag sein. Doch könnte sie dann feststellen, daß ihr Innenleben abgestorben ist und das grüne Generationenprojekt nicht viel mehr hinterläßt als zwei Handvoll fähiger Politiker.