Wer tot ist, ist noch lang nicht aus der Welt. Das gilt nicht nur in den USA, wo man mit allerlei Spezialgerät hingebungsvoll in Gräbern und Biographien längst vermoderter Berühmtheiten stochert. Auch in Deutschland und Umgebung lassen Rechtsmediziner, Genforscher und Historiker die Vergangenheit nicht ruhen.

1996 analysierten zwei Institute für forensische Medizin das Blut an der alten Unterhose des Kaspar Hauser, der 1833 erstochen worden war. Ergebnis der Erbgutuntersuchung: Die weltberühmte Legende um das Findelkind soll falsch sein. Hauser sei keineswegs ein abgedrängter Thronfolger des Fürstenhauses Baden gewesen, sondern bloß ein geistig zurückgebliebener Nobody. Leider steht auch diese Version auf wackligen Beinen, denn eine Exhumierung von Hausers Leiche fand nicht statt.

Auch die Legende um Karl Wilhelm Naundorff, der sich gern als ein dem Tode entronnener Sproß des 1795 hingerichteten Ludwig XVI. mit Marie-Antoinette ausgab, wurde am modernen Gentest zuschanden. Die Gewebeproben aus Haaren und Oberarmknochen des 1845 in Delft begrabenen Abenteurers zeigen keinerlei Verwandtschaft mit den Relikten der berühmten französischen Königin.

Als deutsche Rechtsmediziner rechtzeitig zum Heinrich-Heine-Jahr eine Locke des Dichters unter die Lupe nahmen, fanden sie darin eine erschreckend hohe Bleikonzentration. Seither hält mancher es für möglich, daß Heine weder einer Rückenmarkserkrankung noch der Syphilis erlag, sondern vergiftet wurde. Nur von wem? Und warum?

Selbst in jüngerer Zeit Verstorbene sind nicht sicher vor der Forschung. So wurde das, was einmal der Chansonnier Yves Montand gewesen war, unter Wehklagen der Pariser Öffentlichkeit 1998 wieder ans Licht geholt. Eine junge Frau, die ihm wie aus dem Gesicht geschnitten schien, hatte behauptet, seine nicht anerkannte, uneheliche Tochter und damit seine Erbin zu sein. Doch allem äußeren Anschein zum Trotz brauchte Montands Biographie nicht umgeschrieben zu werden. Der genetische Fingerabdruck der angeblichen Tochter zeigt mit dem des berühmten Sängers nicht die leiseste Übereinstimmung.

Daß der alpine Steinzeitmensch Ötzi vor 5000 Jahren an Würmern litt und daß Martin Bormann, der "Sekretär des Führers", 1945 in Berlin ums Leben kam, all das liest die Wissenschaft aus sterblichen Überresten heraus. Wer sich also möglichst spurenarm davonmachen will, sollte auf der Einäscherung bestehen und weder Haare noch Unterhose zurücklassen.