die zeit: Herr Neumann, der wissenschaftliche Beirat beim Wirtschaftsministerium spricht sich gegen Wechselkurs-Zielzonen aus. Minister Werner Müller hat Ihnen geantwortet, die Bundesregierung strebe keine Zielzonen an. Bauen Sie einen Popanz auf?

Manfred J. M. Neumann: Nein, denn in internationalen Gremien kommt immer wieder die Forderung nach Zielzonen oder festeren Wechselkursen auf. Sich darauf einzulassen hätte schlimme Folgen. Die Europäische Zentralbank verlöre die Fähigkeit, für Preisstabilität zu sorgen. Sie müßte ja auf jeden Fall den Wechselkurs zum Dollar oder Yen halten, auch wenn das dazu führen würde, daß sie inflationäre Impulse importiert. Gleichzeitig müßten wirtschafts- und sozialpolitische Ziele gegenüber der Wechselkursstabilisierung zurückgestellt werden.

zeit: Sie spielen mit Ihrer Stellungnahme wohl auf den Bundesfinanzminister an. Doch auch der nimmt für sich in Anspruch, keine Zielzonen anzustreben.

Neumann: Zumindest hat sein Staatssekretär Heiner Flassbeck den Begriff benutzt. Wichtiger ist aber, daß immer wieder der Eindruck erweckt wird, man müsse direkt auf die Wechselkurse Einfluß nehmen, statt eine Wirtschaftspolitik zu betreiben, die selber zu stabileren Wechselkursbeziehungen führt.

zeit: Minister Lafontaine hat kürzlich gesagt: "Ob man es Zielzonen nennt oder Stabilisierung der Kurse auf der Grundlage realwirtschaftlicher Annäherung, ist nicht entscheidend." Können Sie sich einen Reim darauf machen?

Neumann: Ja, er will nicht auf das Konzept von Zielzonen festgelegt werden.

zeit: Was ist dagegen einzuwenden, durch mehr Gleichlauf der Volkswirtschaften zu größerer Stabilität zwischen den Währungen zu kommen?