Es kann kommen, was will, die Deutschen verreisen. Weder Wahlkampf noch Fußballweltmeisterschaft hielten sie davon ab auszuschwärmen. Nahezu zwei Wochen im Durchschnitt waren sie im vergangenen Jahr unterwegs und ließen sich den Urlaub im statistischen Mittel 1441 Mark kosten: 1998 unternahmen 48,5 Millionen der über 14jährigen Bundesbürger eine oder mehrere Reisen, so die ersten Ergebnisse der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V., die auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin vorgestellt wurden. Die Zahl der Touren, die über mehr als fünf Tage gingen, nahm gegenüber 1997 noch einmal um mehr als 1 Million zu.

Im Januar dieses Jahres wurden knapp 8000 Personen über ihre Reisegepflogenheiten ausgefragt. Mehr als 18 Prozent waren mehrmals auf Achse. Außerdem kamen zu den 63,4 Millionen Haupturlaubsreisen noch einmal 48 Millionen Kurztrips von zwei bis vier Tagen.

Auch wenn Ferien in der Heimat an Beliebtheit wieder etwas einbüßten, lag Deutschland mit knapp unter 30 Prozent (18,8 Millionen) aller Reisen immer noch an erster Stelle aller Ferienziele. Bayern ist von seinem Spitzenplatz nicht zu verdrängen, wenngleich es ebenso wie das zweitbeliebteste Bundesland Schleswig-Holstein gegen einen leichten Abwärtstrend kämpfen muß. Als nächste in der Rangskala folgen Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Niedersachsen.

Spanien ist wieder das mit Abstand führende Lieblingsziel im Ausland: 14,2 Prozent aller Reisen gingen dorthin, noch einmal fast ein Prozent mehr als im Jahr zuvor. Minimale Einbußen gab es beim Rangzweiten Italien, leichte Zuwächse bei Österreich und Frankreich. Einen Rückgang hatte die Türkei zu verzeichnen. Mit einem Anteil von 3,6 Prozent lag sie jedoch vor dem Kokurrenten Griechenland. Konstant hielten sich Ziele in Nordamerika sowie in der Karibik und Südamerika.

Knapp die Hälfte aller Urlaubsreisen wurde im Auto angetreten, beim Flug stiegen die Zahlen kaum merklich, geringe Verluste gab es bei Bus und Bahn. Organisierte Trips sind weiter auf dem Vormarsch: Bei mehr als 44 Millionen Reisen griffen die Urlauber auf die Hilfe des Reisebüros zurück.

Es gibt keinen Hinweis darauf, daß die Deutschen in den Ferien eine übermäßige Neigung zu Trendsportarten zeigen. In den letzten drei Jahren stiegen lediglich 1,6 Prozent der Urlauber aufs Mountainbike, immerhin 17,5 Prozent radelten, mehr als 40 Prozent indes brachte das Wandern Lust. Als Lieblingsbetätigung wurden "Ausflüge, Fahrten in die Umgebung" genannt noch vor baden, sonnen, "viel ausruhen und schlafen".

"Sehr große" Wachstumspotentiale sehen die Forscher noch für die Urlaubsform All-inclusive, "große" für Urlaub auf dem Bauernhof und Ferien im Club. Bei den Zielen können sich die Karibik und Thüringen gute Chancen für die Zukunft ausrechnen.