An Ideenreichtum mangelt es der Tabakindustrie offenbar nicht: 57 Patente erteilten die Behörden Tabakfirmen in aller Welt auf Erfindungen, die giftige und krebserregende Substanzen im Tabakqualm verringern könnten. Doch kein einziges aus diesem reichhaltigen Entgiftungsangebot haben die Zigarettenhersteller in die Praxis umgesetzt. Dabei sterben allein in der EU jährlich mehr als eine halbe Million Menschen an den Folgen des Rauchens. Als schleichender Killer steht nicht das Nikotin im Vordergrund, sondern zahlreiche andere Gifte wie Kohlenmonoxid, Nitrosamine oder Benzo(a)pyrene. Diese wären relativ leicht zu reduzieren. Doch die Zigarettenhersteller ließen die patentierten Verfahren in der Schublade verschwinden, klagten die britischen Organisationen Imperial Cancer Research Fund und Action on Smoking and Health in der vergangenen Woche. Möglicherweise wäre die Produktion "saubererer" Zigaretten für die Tabakindustrie teurer gekommen. Einzig in Augsburg kamen Raucher in den Genuß schadstoffarmer Zigaretten. Reynolds Tobacco (Marken: Camel, Winston, Salem) testete dort HI Q. Bei HI Q wird der Tabak nicht entzündet, sondern von heißer Luft durchströmt. Der Konsument inhaliert zwar nach wie vor Nikotin, viele andere Schadstoffe sind aber nur noch in Spuren vorhanden. Denn die meisten karzinogenen Substanzen bilden sich erst, wenn die Tabakblätter glimmen. Ende vergangenen Jahres beendete Reynolds den Test. Die rauchlose Zigarette sei geschmacklich durchgefallen, hieß es.