Beunruhigt stellen wir fest, daß uns eine der großen Verschwörungen unserer Zeit fast entgangen wäre: die Konspiration zwischen skrupellosen Familienlobbyisten und einem einflußreichen Pressekartell nämlich. Gott sei Dank leisten die Genossen Redakteure der SPD-Mitgliederzeitung Vorwärts (Auflage: 800 000) in der Märzausgabe Aufklärungsarbeit. Tückisch, schreiben die Kollegen, werde Unverheirateten und Kinderlosen in einschlägigen Medien ein hoher Lebensstandard angedichtet, damit man sie anschließend schröpfen könne; dabei sei es doch logisch, daß eine vierköpfige Familie über weniger Geld verfüge als ein kinderloses Paar. Im übrigen finanzierten die Alleinstehenden mit ihren hohen Steuern Mütterberatung und Erziehungsgeld, Kindergärten, Schulen, Universitäten. Es war an der Zeit, den verstaubten sozialdemokratischen Solidaritätsbegriff in diesem Sinne zu streamlinen: Die rot-grüne Regierung soll endlich Gerechtigkeit für benachteiligte Singles herstellen! Und wir müssen uns von dem gestrigen Gedanken lösen, die Neue Mitte sei ein Platz für Kinder.