Wer erinnert sich nicht gerne an Mannheim im Herbst 95, an Oskar Lafontaines Putsch gegen Rudolf Scharping? Oder war es doch nur seine schöne Rede, die alles ins Rollen brachte: "Es gibt noch Konzepte, für die wir uns begeistern können ..."? Von den Konzepten wagt niemand mehr ernstlich zu träumen. Nur das andere Thema, das Lafontaine damals, gleich nach seiner Wahl zum Parteichef, anging, ist immer noch aktuell: das Verhältnis seiner Partei zur PDS. Bislang galt in der SPD die Freiheit der Landesverbände bei ihren Koalitionsentscheidungen, aber die Absage an jegliche Kooperation mit der PDS im Bund. Doch seit sich mit den hessischen Wahlen die Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat verändert haben, fällt es dem SPD-Chef schwer, sich an diese Formel zu erinnern. Im Bundesrat säßen Landesregierungen, keine Parteien, heißt es nun.

Nur für Rudolf Scharping kommt eine Zusammenarbeit "natürlich auch für das Bundesorgan Bundesrat" nicht in Frage. Das ist eine Reminiszenz an die "Dresdner Erklärung". Mit ihr hatte Parteichef Scharping seinerzeit den strikten Abgrenzungskurs zur PDS festgelegt. Zuvor allerdings, im Sommer 1994, hatte er zusammen mit SPD-Bundesgeschäftsführer Verheugen das Magdeburger Tolerierungsmodell gebilligt - in der irrigen Annahme, damit die Bundestagswahl zu gewinnen. Vielleicht ist Scharping heute deshalb in Sachen PDS der Strengste unter den Strengen.

SPD-Fraktionschef Peter Struck schlägt jetzt vor, man könne bei zustimmungspflichtigen Gesetzen doch mit den SPD-Regierungsmitgliedern aus Mecklenburg verhandeln, die PDSler aber außen vor lassen. Schröder-Nachfolger Glogowski rät seiner Partei hingegen, sich lieber gleich andere Koalitionspartner als die PDS zu suchen. Und nicht nur seiner Partei, "auch dem deutschen Volk täte es gut, wenn diese Partei verschwinden würde", meint der Ministerpräsident.

Doch da erhebt Dagmar Schipanski, die Kandidatin der Union für das Amt der Bundespräsidentin, ihre Stimme und klagt einen "differenzierten Umgang mit der PDS" ein. "Ausgrenzung alleine" werde dieser Partei nicht gerecht. Und in einer lebendigen Demokratie sollte "auch eine Partei wie die PDS ihren angemessenen Platz finden", meint Frau Schipanski. Sie wolle "selbstverständlich" auch den PDS-Wahlmännern der Bundesversammlung, die im Mai den Bundespräsidenten wählen, zu Gesprächen zur Verfügung stehen. Ob sie auch ihre Stimmen nehmen würde? Allein über die Möglichkeit freut sich besonders Oskar Lafontaine. Es gibt noch Entwicklungen, für die er sich begeistern kann.