Sascha Spoun ist gerade 30 Jahre alt geworden. Als 16jähriger Schüler gründete er einen kleinen Radiosender, ein Jahr später übernahm er das Management einer Tennishalle. Er studierte Wirtschaft und Politik in der Schweiz, in Frankreich und den Vereinigten Staaten. Heute habilitiert er darüber, wie die öffentliche Verwaltung effizienter arbeiten kann.

Ein echter HSGler, wie sie an seiner Alma mater sagen würden: ein echter Absolvent der Hochschule für Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften in St. Gallen. Zwei Jahre war Spoun dort Präsident der Studentenschaft. Unter seiner Ägide haben die unternehmungslustigen Studenten Anfang der neunziger Jahre ein eigenes Haus mit 18 Mietwohnungen gebaut. Ein Personalberater, den Spoun kannte, trainiert heute mit Studenten kostenlos, wie man sich bewirbt. In eigener Verantwortung hält die Studentenschaft Einführungsveranstaltungen für die Erstsemester ab - ein Jahrgangssponsor erlaubt es, wortwörtlich jedem Teilnehmer einen Rucksack zu schenken. Zwei Preise lobt die Studentenschaft ebenfalls aus - einen für ihren "Mentor", den studentenfreundlichsten Professor, einen für den besten interdisziplinären Aufsatz.

Peter Hogenkamp, wie Spoun ein Deutscher, leitet die Ehemaligenorganisation der Hochschule und promoviert nebenher. Für die Finanzierung seiner Stelle und der zweier Mitarbeiter sorgt er selbst: Viele Alumni sind zahlungswillig. An seiner Hochschule, die heute offiziell Universität heißt, herrsche "ein Geist der Professionalität", sagt er. So verschieden die Initiativen auch seien, alle Beteiligten wollten sie anständig organisieren. Hogenkamp hält die Projekte neben dem Studium für die beste Schule: "Stellen Sie sich einen Erstsemester vor, der für den Uni-Ball ein Budget von 200000 Franken verantwortet", sagt er. So bekämen die aktiven Kommilitonen Selbstvertrauen - manche schon zuviel des Guten.

Ende Mai wird die Wirtschaftsuniversität dank ihrer Studenten wieder zum Zentrum für Manager aus aller Welt. Im Konzert mit Partnern aus Harvard veranstalten sie das alljährliche "International Management Symposium St. Gallen". Auf der Rednerliste des dreitägigen "Dialogs zwischen den Generationen" stehen Topmanager wie der ABB-Chef Göran Lindahl und Wissenschaftler wie Rolf Zinkernagel, Nobelpreisträger für Medizin. Sie begegnen 250 Topstudenten aus aller Welt. Das größte derartige Treffen in Deutschland veranstalten Kölner Studenten - nach dem Schweizer Vorbild.

Seit 1997 setzen die St. Galler noch einen drauf: Start, das Forum zur Unternehmensgründung. Vor allem Studenten aus der Schweiz und Deutschland bewerben sich um die Teilnahme. Die Veranstalter wählen rund 100 von ihnen aus. Auf dem Forum können sie von erfolgreichen Unternehmern lernen, wie man an Kapital kommt, eine Firma gründet und was einen guten Gründer ausmacht. Die St. Galler Studenten Simon Schropp und Jan Bomholt gehören zum Start-Team. Begeistert erzählen sie, wie sie Mercedes als Sponsor des Fuhrparks für das Forum gewannen und andere Geldgeber und Redner an Land zogen. Rund um das Treffen entwickeln sie nun ein Netz von Interessierten und ihren Mentoren, das übers ganze Jahr aktiv sein soll. Die beiden Jungspunde fühlen sich als Unternehmer: weniger angepaßt als die künftigen Manager, verwegener, aktiver.

Manche Studenten studieren zuweilen nur nebenher. Der Schweizer Pascal Koller, Präsident der Studentenschaft mit einem Kapital von immerhin zwei Millionen Franken, opfert dem Nebenjob ein Jahr - mit Gewinn, wie er meint. Aufgaben gibt es genug: "Noch wird viel zuwenig Marketing für die Universität betrieben - vor allem international", sagt Koller. Und zu viele Professoren programmierten ihre Studenten auf eine Karriere im Konzern. "Sie als künftiger Topmanager" sei oft die Anrede; die Perspektive des Unternehmensgründers sei weniger selbstverständlich.

Im Schnitt brauchen HSGler knapp fünf Jahre für ihr Studium; im Jahr zahlen sie weniger als 2000 Franken Gebühren. In fast jedem Semester stehen Prüfungen an, und viele Studenten schieben ein anrechenbares Studienjahr im Ausland ein. Unterderhand erfährt man, daß sich die Prüfungen zur Not mit drei Monaten konzentriertem Lernen pro Jahr erledigen lassen. Dank einer guten Infrastruktur: Die emsigen Jungunternehmer vertreiben Skripten zu fast jeder Vorlesung und Zusammenfassungen zu vielen Büchern.