Die Schule ist dazu da, daß Kinder etwas lernen. Wenn eine Wahrheit derart simpel ist, dann muß sie verkompliziert werden. Lernen? Sicher, aber was und zu welchem Zweck? Um ein guter Mensch zu werden, um einmal viel zu leisten und zu verdienen, vielleicht gar, um wahrhaft gebildet zu werden?

Als Georg Picht vor bald vier Jahrzehnten feststellte, daß die Schule seiner Zeit ihre Aufgabe nicht erfüllte, weil dort nicht alle Kinder etwas lernten, sondern nur wenige, privilegierte, da empfand der Pädagoge dies als großes Unglück. Die seither sprichwörtliche Bildungskatastrophe wurde zur fixen Idee der deutschen Bildungspolitik. In ihrem Namen wurde experimentiert und verworfen, Vergangenheit beschworen und Aufbruch verheißen. Und dahinter verschwand die einfache Wahrheit.

Dieses Gebäude aus Illusion und Lüge ist jetzt zusammengebrochen. Die Schule ist eine der schwächsten, gefährdetsten und hilfsbedürftigsten Institutionen dieser Gesellschaft geworden.

Was tun? Weitermachen wie bisher und den Mangel verwalten? Oder sich in die neue bürgerliche Fluchtbewegung einreihen, für den eigenen Nachwuchs die vermeintlich beste Bildung kaufen und den Rest sich selbst überlassen?

Aber halt, die Bildungsreform ist nicht gänzlich gescheitert. In all den vergangenen Jahren ist ja nicht nichts geschehen an den Schulen. Da ist viel entwickelt worden, was sich aufgreifen ließe. Die ZEIT wird in den kommenden Wochen solche Anstrengungen vorstellen: lauter Impulse, die Schulen aus ihrer Isolation zu befreien.

Erstens: Die Schulen haben eine Aufgabe. Es muß endlich erlaubt sein, zu messen, ob und wie sie diese Aufgabe erfüllen. Davon handelt unser erster Beitrag in dieser Ausgabe.

Zweitens: Die Schulen brauchen Hilfe von außen, um von einer vorgeblich lehrenden zu einer - das Modewort sei gestattet - lernenden Institution zu werden (nächste Woche).