Die Straße ist schon viel besser geworden", sagt Mary Gagenska, als der Wagen die letzten Meter über Schlaglöcher, Schotter und fest gefahrene Erde nach Gowanbank Village holpert. Hinter der Kurve tauchen die stilvollen Steingebäude der einstigen Arbeitersiedlung auf. Mit fünf aneinandergedrängten Häusern ist die kleine Ansiedlung in den schottischen Hügeln zwischen Edinburgh und Glasgow ein einsamer Flecken; der nächste Laden ist gut vier Kilometer entfernt.

Drei der Häuser hat die 46jährige Engländerin in den vergangenen zwei Jahren zusammen mit jungen Freiwilligen aus ganz Europa wieder aufgebaut. Die Straße ist noch in Arbeit: Mit Spitzhacke und Schaufel rackern sich die Jugendlichen im kalten schottischen Regen ab.

Die Nachfrage unter den etwa 54 Millionen jungen Europäern ist groß, doch die Finanzierung des Programms ist unsicher. "Wir wollen für die nächsten fünf Jahre 600 Millionen Euro, um den Jugendaustausch kontinuierlich aufzubauen", fordert Alexandros Tsolakis, Referatsleiter für das Projekt bei der EU-Kommission. Die etwa 1,17 Milliarden Mark entsprächen 0,1 Prozent des Haushaltes der EU bis zum Jahr 2004 und würden neben dem EFD auch die Kurzaustauschprogramme Jugend für Europa sowie vorbereitende Seminare finanzieren.

Obwohl der Freiwilligendienst parteiübergreifend gelobt wird, konnte sich der Ministerrat bislang nicht auf einen gemeinsamen Standpunkt einigen. Vor allem Frankreich, England, die Niederlande und Schweden fordern eine Nullrunde, was den Etat des sich gerade erst etablierenden Projektes auf 264 Millionen Euro einfrieren würde. Deutschland, das während seiner EU-Präsidentschaft zwischen den Positionen vermitteln sollte, verhält sich ebenfalls restriktiv - obwohl im Koalitionsvertrag der Bundesregierung der Freiwilligendienst ausdrücklich befürwortet wird.

Auch benachteiligte Jugendliche werden einbezogen

Eine von der Robert-Bosch-Stiftung initiierte Kommission aus Politikern und Wissenschaftlern plädiert dagegen für den zielstrebigen Ausbau der Freiwilligendienste. Veranschlagt wird langfristig allein für Deutschland eine jährliche Summe von 1,14 Milliarden Mark aus Spenden und Bundesmitteln. Wieviel Geld die Jugendlichen der Europäischen Union schließlich tatsächlich wert sind, wird wohl Ende Mai auf dem Treffen der europäischen Jugendminister ausgehandelt werden.

Setzt sich die harte Sparpolitik durch, muß die Kommission ihre Pläne kappen, das Programm weiter für benachteiligte Jugendliche zu öffnen, da diese eine intensivere Betreuung brauchen. Bislang kommen etwa zwölf Prozent der Freiwilligen aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Schaffen sie es, die Sprachbarrieren zu überwinden, erhalten sie im Ausland oft zum ersten Mal das Gefühl, gebraucht zu werden und eigene Ideen umsetzen zu können.