Im Holy-Cross-Kloster von Berryville, Virginia, leben 26 Trappistenmönche. Ihr Motto: Bete und arbeite! Ihre Regeln: Armut, Keuschheit, Schweigen. Ihr Werkzeug: der Computer.

"Alles fing 1990 an, als uns ein Spender ein kompliziertes Computersystem schenkte", erzählt Bruder Benedict. "Damals war unsere Haupteinnahmequelle der Verkauf von selbst-gebackenem Früchtekuchen. Per Katalog verschickten wir ihn in die gesamten Vereinigten Staaten. Innerhalb kurzer Zeit waren die Aufträge von 1500 Stück pro Jahr auf das Zehnfache gestiegen. Und jetzt hatten wir die Computer und keine Ahnung, wie wir sie einsetzen sollten."

Gleich die ersten Kunden, die Ed Leonard ansprach, waren begeistert von der Idee, einen "elektronischen Mönch" zu mieten: Mönche sind intelligent und gebildet, Mönche neh- men ihre Arbeit ernst und betrachten sie als heilig. Mönche sind nicht von den Ablenkungen des Alltags geplagt - sie haben weder Fernse- hen noch Frauen. "Die Nachfrage", erzählt Ed Leonard, "wurde so groß, daß wir bald Hilfskräfte in anderen Klöstern anwerben mußten. Binnen weniger Monate hatten wir neben den 20 Kollegen im Zentralbüro mehr als 50 Mitarbeiter aus Klöstern in Wisconsin, New Mexico und San Francisco."

Dem direkten Kontakt mit den Kunden gehen die Mönche aus dem Weg. Ihr Mittelsmann ist Ed. Er kümmert sich um das Anwerben neuer Kunden und das Aushandeln von Verträgen. Im Schnitt kommt jeder Mönch auf ein Honorar von zehn Dollar pro Stunde. Geld, das direkt in die Kasse des Klosters fließt, denn jeder Mönch hat ein Gelübde der Armut abgelegt.

Und das Geschäft dehnt sich weiter aus. Ed Leonard: "Wir stehen bereits mit einem Kloster in Chicago in Verbindung, dessen Haupthaus in Paris ist. Ich habe auch Anfragen aus London erhalten, so daß wir hoffen, ein ähnliches Netz in Europa aufbauen zu können."

Natürlich hat das Holy-Cross-Kloster längst eine eigene Homepage im World Wide Web. Sie liefert Informationen über das Leber im Kloster, eine wöchentlich wechselnde Auswahl aus den Schriften der Kirchenväter - sowie eine Beschreibung des klösterlichen Früchtekuchens, das Rezept und die Möglichkeit, ihn per E-Mail zu bestellen.

"Denn noch immer sind viele von uns mit Backen, Verpacken und Vertrieb beschäftigt", erzählt Bruder Benedict. "Unsere Kunden leben in Nepal, Malaysia, Rußland und Großbritan-nien. Und 25 000 Früchtekuchen herzustellen macht ganz schön Arbeit, wissen Sie. Internet hin oder her."